„Die Braune Falle“ in Gudensberg zog 1000 Besucher an – empfohlen für andere Städte

Einblicke in rechte Szene

Nachbetrachtung: Jugendpfleger Martin Storm, Stephan Bürger vom Landkreis-Projekt „Gewalt geht nicht“ und Jugendpflegerin Carola Kitzinger am Gudensberger Jugendzentrum Dampflok. Foto: Dewert

Schwalm-Eder. Rechtsradikale Tendenzen bei Jugendlichen beschäftigen die Jugendpfleger im Landkreis. In Gudensberg endete jetzt die Wanderausstellung „Die Braune Falle“ des Bundesamtes für Verfassungsschutz. In den Chattengau geholt und betreut hatten die Ausstellung unter anderem Martin Storm und Carola Kitzinger von der Stadtjugendpflege.

„Wir haben zwar kein Problem mit rechtsradikalen Jugendlichen in der Stadt“, sagt Storm, aber Aufklärung sei wichtig und unverzichtbar.

„Ehemalige Kameraden lassen Aussteiger oft nicht ungestraft davonkommen.“

Jugendlicher der Ausstellung

Auch der Landkreis beteiligte sich an der Gudensberger Präventionsarbeit. Stephan Bürger vom Projekt „Gewalt geht nicht“, sagte dazu: „Eine Gruppe wie die Freien Kräfte kann auf Jugendliche eine gefährliche Faszination ausüben.“ Da setze die Ausstellung an, denn sie zeige eindrucksvoll, wie eine solche Karriere im rechten Milieu verlaufen könne. Mitläufer könnten zu Anführern werden, diese würden meist zu Tätern und am Ende stehe häufig eine kriminelle Laufbahn. Wenn einer ausstiegswillig sei, könne es passieren, dass sich die Gruppe gegen einen wendet.

„Ehemalige Kameraden lassen Aussteiger oft nicht ungestraft davonkommen“, wird ein Jugendlicher in der Ausstellung zitiert. „Wir hätten die Ausstellung gerne in der Schwalmstadt gehabt“, sagt Bürger. Über seine Verbindungen sei im Vorfeld Werbung für die Ausstellung gemacht worden, die sich konzeptionell gerade an Gruppen wendet.

Über 1000 Besucher

Aus dem Südkreis seien zwar Klassen des Schwalmgymnasiums in Gudensberg gewesen, aber wegen des logistischen Aufwands leider nicht so viele, wie erhofft, sagt Martin Storm. Insgesamt war die Resonanz aber sehr gut. Mehr als 40 Gruppen, überwiegend Schulklassen, und 150 Einzelbesucher hätten sich informiert. In den neun Tagen waren es somit mehr als 1000 Besucher. Der Kontakt zum Verfassungsschutz kam über dessen Präsident Heinz Fromm zustande. Fromm war Gast beim Gudensberger Neujahrsempfang.

Die rechtsradikale Szene sei im Südkreis am stärksten, sagt Bürger. Daher konzentriere sich die Arbeit auf diese Region. Gefährdet seien die Jugendlichen in Melsungen aber genauso wie in Fritzlar und Gudensberg. „Wir müssen uns die Probleme bewusst machen und zivilgesellschaftlich vorbeugen“, sagt Bürger. Die Jugendpfleger des Landkreises arbeiteten daher eng zusammen.

Auf Kreisebene werde das Problem beim Zusammenschluss der offenen Jugendarbeit (KomJuSek) diskutiert, sagt Bürger. „Wir müssen uns bei unserer Arbeit nach den Mobilitätsgrenzen der Jugendlichen richten und nicht nach Stadtgrenzen“, sagt Martin Storm.

Die Braune Falle werde an etwa 20 Standorten jährlich gezeigt und ist auf viele Monate ausgebucht. Ähnliche Ausstellungen gebe es auch von der Friedrich-Ebert-Stiftung, sagt Stephan Bürger.

Von Damai D. Dewert

Quelle: HNA

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