Wolfhager Konfirmanden besuchten Jüdischen Friedhof in der Wilhelmstraße

Eine bewegende Geschichte

Besuch auf dem Jüdischen Friedhof: Stadtführer Heinz Riedl erklärt der Konfirmandengruppe von Pfarrer Hans Jürgen Basteck die Bedeutung des Friedhofs. Foto: Pflug

Wolfhagen. Bedrückt lauschten Konfirmanden der Gemeinde Wolfhagen den Geschichten, die Stadtführer Heinz Riedl von den Juden erzählte, die einst in Wolfhagen wohnten.

Im Konfirmandenunterricht bei Pfarrer Hans Jürgen Basteck haben sich die Jugendlichen in den vergangenen Wochen mit historisch und religiös bedeutsamen Tagen – wie dem Reformationstag – beschäftigt. Anlässlich des 75. Jahrestages der Reichspogromnacht am Samstag, 9. November, besuchten die Konfirmanden kürzlich den Jüdischen Friedhof an der Wilhelmstraße.

Der Jüdische Friedhof ist heute eine stille Gedenkstätte. Aber er ist auch Zeugnis eines der dunkelsten Kapitel der Wolfhager Geschichte: In der Nacht zum 11. November 1938 wurden der Friedhof zerstört, die Synagoge niedergebrannt und das Schulhaus verwüstet. 1948 wurden die 17 Grabsteine, die seinerzeit gerettet wurden, wieder aufgestellt und aus den Trümmern eine Mauer und ein Gedenkstein errichtet. „Eine schöne Idee“, sagt Cedrick Schade (13) über die Mauer.

Der Besuch des Jüdischen Friedhofs solle die Jugendlichen für andere Religionen und deren Einfluss auf ihre direkte Umgebung sensibilisieren, sagt Basteck. „Ich bin schon öfters hier vorbeigefahren und wollte mir den Friedhof näher anschauen“, meint Konfirmand Aaron Kemner (14). Auf dem Friedhof erklärte Heinz Riedl, ehemaliger Leiter des wissenschaftlichen Prüfungsamtes in Kassel, die Bedeutung des Friedhofs und erläuterte jüdische Bestattungsriten. Die Jugendlichen zeigten sich überrascht von der Kargheit des Friedhofes und dem fehlenden Schmuck. Riedl erklärte, dass das Niederlegen von Blumenschmuck an einem Grab nicht jüdischem Brauch entspricht. Traditionell legt man zum Zeichen des Gedenkens einen kleinen Stein auf den Grabstein.

Nach dem Besuch auf dem Friedhof begaben die Konfirmanden sich auf einen Rundgang durch die Altstadt zu bedeutenden ehemaligen Wirkungs- und Wohnstätten Wolfhager Juden. Dieser Rundgang führte an den ehemaligen Häusern der Familien Block, Winterberg und Kron vorbei sowie an der alten Synagoge.

Am einstigen Haus der Familie Möllerich in der Schützeberger Straße endete der Rundgang schließlich. „Das Schicksal der Familie Möllerich ist sehr bedrückend, besonders, weil die Kinder ihre Eltern alleine zurücklassen mussten“, sagt Mareike Schaake (14). Die Kinder Edith und Wolfgang waren 1938 per Kindertransport gerettet, die Eltern später verschleppt und ermordet worden. (rax)

Quelle: HNA

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