Eine Scheune als Bausatz - Zimmermeister restauriert historisches Fachwerkhaus

Alles nach Plan: Um alle Teile des Bauwerks nach dem Rückbau wieder zusammensetzen zu können, nummeriert und verzeichnet Ulrich von Teubern (Mitte) mit seinen Gesellen Moritz Mittendorf (links) und Till Bormann die Balken. Damit die Konstruktion nicht zusammenbricht, muss sie eingerüstet werden. Fotos: Emmenberger/nh

Rommershausen. Zimmermeister Ulrich von Teubern hat in Rommershausen eine 149 Jahre alte Scheune Stück für Stück abgebaut. Das historische Gebäude am Ufer der Schwalm war bereits zum Abriss freigegeben.

Doch um das traditionsreiche Fachwerk zu erhalten, hat der Zimmerer und Restaurator aus Borken das Gebäude in aufwändiger Arbeit abgetragen.

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Rommershausen: Eine Scheune als Bausatz

„Die Scheune war relativ gut in Schuss, das Obergeschoss in fast einwandfreiem Zustand“, sagte von Teubern. Besonders das Fachwerk im Innenraum sei sehr schön und sauber verarbeitet gewesen, eine Seltenheit, erklärte der Zimmerer und Restaurator aus Borken.

„Mit einer neuen Außendämmung könnte man ein kleines Wohnhaus daraus bauen, bei dem das Fachwerk in den Innenräumen noch wie im Ursprungszustand zu sehen wäre“, sagte von Teubern. Zudem könne der Rahmen des Scheunentores eine große Fensterfront aufnehmen.

Um die Scheune wieder originalgetreu aufbauen zu können, mussten alle Streben des zweistöckigen Gebäudes mit einer Grundfläche von 40 Quadratmetern nummeriert und in einem Plan verzeichnet werden. Die Wände wurden in einzelne Segmente unterteilt, um sie einlagern und später wie einen Bausatz zusammensetzen zu können. Beim Rückbau habe eine exakte Reihenfolge eingehalten werden müssen, um den Einsturz des Gebäudes zu verhindern. Die Böden der Scheune und die Lehmgefache ließ von Teubern zurück.

Der vorsichtige Abbau der Scheune habe auch kulturhistorische Gründe: „Wir sollten nicht den gleichen Fehler zweimal machen und wie nach dem Krieg mehr Gebäude einreißen als nötig.“ Von Teubern könne sich gut vorstellen, dass die Fachwerkbauten, die heute leerstünden, in Zukunft wieder attraktiv würden.

Wertvoll sei auch das Baumaterial. „So gut durchgetrocknetes Eichenholz gibt es heute nicht am Markt“, erklärte von Teubern. Feuchtes Eichenholz könne bis zu 1,5 Zentimeter schrumpfen, große Fugen würden entstehen.

Nun sucht von Teubern einen Abnehmer. „Für etwa 30 000 Euro könnte ich das Fachwerk in Nordhessen aufstellen“, schätzte von Teubern.

Von Sebastian Lammel

Quelle: HNA

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