Deutsche Ido-Gesellschaft propagiert Plansprache für alle – Versammlung in Grifte

Eine Sprache für Europa?

Edermünde. Knapp zehn Jahre ist es her, dass Dieter Schmidtchen zum ersten Mal von der Plansprache Ido hörte. „Ich habe mich für Ökonomiekritik und die Occupy-Bewegung interessiert und bin dabei auf diese Idee einer einfachen Zweitsprache für alle in Europa gestoßen“, erinnert sich Schmidtchen.

Seitdem ist er ein Idist. So nennen sich die Anhänger der vor über 100 Jahren entwickelten Sprache, die eine vereinfachte Version des bekannteren Esperanto ist – auf der Basis europäischer Sprachen.

Versammlung in Grifte

Der Grifter, seit einigen Monaten im Ruhestand und zuvor Flüchtlingsbetreuer beim Kreis, gehört dem Vorstand der Deutschen Ido-Gesellschaft an, einem Verein, der seine jährliche Hauptversammlung vom 14. bis 16. Juni erstmals in Nordhessen veranstalten wird. Schmidtchen hat die Mitglieder – es sind um die 40 – in seinen Heimatort eingeladen.

„Plansprachen dienen der Völkerverständigung.“

Dieter Schmidtchen

Sie alle wissen, dass es schwierig ist, mehr Anhänger der künstlich entwickelten Sprache zu rekrutieren, doch sie geben nicht auf. Schmidtchen: „Mit einer neutralen Sprache, die jeder Europäer als Zweitsprache relativ leicht lernen kann, würde man keine Nation bevorzugen, es gäbe keine Konkurrenz um mögliche Vorherrschaften in der Welt.“

Aus dieser Idee heraus habe man um das Jahr 1900 erst Esperanto, dann 1907 Ido als einfache Variante konzipiert. Aus den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts stammen auch noch die Lehrbücher, nach denen man Ido erlernen kann.

Es gehe fünfmal schneller, Ido zu erlernen als etwa Englisch, sagt Schmidtchen. Leider habe man bisher nur wenige junge Leute animieren können, es mal mit dieser neutralen Sprache zu versuchen. „Wir als Ido-Gesellschaft sind überaltert“, sagt er. Schön fände er es, wenn man eine AG in einer Schule anbieten könnte. Er wäre gerne dazu bereit. Über die Volkshochschule des Kreises habe er es schon einmal versucht, aber das habe nicht geklappt.

Dabei würde jeder einen Nutzen davon haben: „Plansprachen dienen der Völkerverständigung“, betont Dieter Schmidtchen. Alle Idisten seien zudem Aktivisten für Frieden, Verständigung, sozialen Frieden und Umweltschutz.

Auch wenn zurzeit nur verhältnismäßig wenige Menschen weltweit und in Deutschland Ido sprechen: Die Idisten machen weiter und bleiben am Ball. Es gibt Zeitschriften auf Ido, das Hauptmagazin heißt „Progreso“ (Fortschritt), die des deutschen Vereins „Ido-Saluto“ (Ido-Gruß); Mitglieder haben schon manche Texte übersetzt, etwa eine Reiseerzählung von Karl May oder einen französischen Comic über den Grafen von Monte Christo. Auch chinesische Weisheiten sowie Zitatesammlungen liegen auf Ido vor.

Weltweit setzen die Idisten verstärkt auf die neuen Medien: Über das Internet hoffen sie mehr Menschen ansprechen zu können. Es gibt Ido-Foren, Lehrmaterial zum Herunterladen und viele Informationen im Netz.

Wer mehr wissen will: www.idolinguo.de und www.ido.li (international), eine Yahoo-Gruppe „Der deutsch sprechende Idist“ findet man unter http://groups.yahoo.com/group/germanlinguaidist, ein Ido-Forum unter http://forum.idolinguo.de/

Von Ulrike Lange-Michael

Quelle: HNA

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