Der Treysaer Heinz Bickert übersetzte Buch eines Holocaust-Überlebenden

Eine Stimme für die Opfer

Übersetzte Nassers Buch: Heinz Bickert aus Treysa. Foto: Quehl

Schwalmstadt. Als Heinz Bickert im Sommer 2004 seinen langjährigen Freund Fidlon in Palm Springs in Kalifornien besuchte, ahnte er nicht, dass er deshalb Jahre später ein Übersetzer und Reisebegleiter eines Mannes werden würde. Eines Mannes, der als Kind den Holocaust überlebte. Mit dem heute weit über 80-jährigen Stephen Nasser reist der Treysaer in dieser Woche durch Oberbayern. In mehreren Orten werden dort Nassers Buch „Die Stimme meines Bruders“ und ein Dokumentarfilm vorgestellt.

Die englischsprachige Originalversion des Buches von Nasser, „My Brother‘s Voice“, hatte Bickert seinerzeit im Hause Fidlon in Kalifornien gelesen, der Freund hatte es ihm ans Herz gelegt. „Ich erfuhr auch, dass die Ehepaare schon lange eine Freundschaft verband. Da mich das Thema Holocaust seit meiner eigenen Schulzeit interessierte, las ich das Buch innerhalb weniger Tage und war von Stephen Nassers Leidensweg im Alter von nur 13 Jahren tief beeindruckt.“ Bickert wollte sich das Buch gern kaufen, doch er fand es nicht in den Buchläden, die er auf seiner Reise aufsuchte. Deshalb stattete er Nasser in Las Vegas einen Besuch ab, der letzten Reisestation, die Kontaktdaten besaß er ja durch seinen Freund in Palm Springs. Nasser überreichte Bickert bereitwillig ein Exemplar, der Kontakt hielt, und bei einem weiteren Besuch des Treysaers in Las Vegas im Jahr 2008 lernten sich beide besser kennen. Schließlich erzählte Nasser seinem deutschen Bekannten von den grausamen Erlebnissen seiner Jugend. „Selbst noch nach über 60 Jahren war seine Erregung und Fassungslosigkeit zu spüren, als er über weitere entsetzliche Erfahrungen mit dem Holocaust sprach, die gar nicht im Buch erwähnt werden. Anstelle von Abneigung und Hass den Deutschen gegenüber spricht er von Versöhnung und Liebe, ohne die er keine Zukunft für die Menschheit sieht.“

Die Hoffnung auf eine bessere Welt habe Stephen Nasser nicht aufgegeben. „Dies ist auch die Botschaft, die Jugendlichen und Erwachsenen bei Schulbesuchen und anderen Anlässen in seinen Reden als Sprecher der Überlebenden des Holocausts zu übermitteln.“ Weitere Artikel

Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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