Bei seiner Ausstellungseröffnung in der CBS blieb Künstler Prytula lieber vor der Tür

Eine sympathische Flucht

Vertretung: Weil der Vater lieber spaziergen ging, anstatt seine Ausstellung zu eröffnen, sprang seine Tochter Kseniya Prytula ein. Foto: Rose

Ziegenhain. Gerne hätten die knapp 100 Gäste am Sonntagvormittag in der Carl-Bantzer-Schule in Ziegenhain den Künstler Vyacheslav Prytula kennen gelernt: Der Maler zog jedoch frische Luft und einen Spaziergang vor. Und irgendwie passte das zu dem Künstler, der lieber seine Werke sprechen lässt. Der aus Odessa in der Ukraine stammende Prytula stellt in den kommenden Wochen im Atrium aus und bestückt damit die 26. Galerie in der Schule.

Zur Ausstellungseröffnung am Sonntag sang der Chor der Jahrgangsstufe sechs unter der Leitung von Andreas Kater. Das Kostümtheater Ko-Mode – Leiterin ist Prytulas Ehefrau Nonna Ruda, Choreografin die Tochter Kseniya Prytula – präsentierte zauberhaften Tanz in fantasievollen Kostümen. Die Laudatio hielt Dr. Ulrich Hain aus Gießen.

Studium der Malerei

„Dabei ist ein Erklärer eigentlich gar nicht nötig – die Bilder sprechen für sich“, stimmte Hain die Gäste auf den Rundgang ein. Prytula wurde 1947 in der Ukraine geboren. Vom Vater, einem Maler, erbte er wohl die frühe Leidenschaft fürs Zeichnen. „Er war so begabt, dass er an der renommierten Kunsthochschule in Odessa angenommen wurde“, erklärte Hain. Nach dem Studium der Malerei stellte ihn das Kulturamt der Stadt als Künstler ein, es folgten viele öffentliche Aufträge.

1999 zog er mit Frau und Tochter aus der pulsierenden Hafenstadt ins wesentlich überschaubarere Ziegenhain. „Prytula hat ununterbrochen gearbeitet, aber selten ausgestellt. Sie sind die ersten, die so viele Werke von ihm zu sehen bekommen“, erläuterte der Laudator. Dabei beeindrucke vor allem Prytulas Ausdruckskraft und der sichere Umgang mit Pinsel und Zeichenstift. Auffällig sei seine kritische, ja bisweilen karikaturistische Sicht auf sich und andere.

Prytulas Blick sei aber nie bösartig, sondern stets von einer freundlichen Verbundenheit für menschliche Eigenarten geprägt. Der Ukrainer transportiere das anscheinend Bittere mit viel Anrührendem: „Der, der zwei Mal hinschaut, wird hier ganz sicher belohnt“, versprach der Laudator.

Mit scheinbar mühelosem Pinselschwung setze der Künstler auch jene Zeichnungen um, die dem Kostümtheater als Vorlage für die vielen fantasievollen Kleider dienten. Vielleicht, so zumindest der Wunsch von Lehrer und Moderator Michael Brauer, endete der Spaziergang Prytulas ja doch an der Schule. Vielleicht stand der Künstler doch irgendwo im Verborgenen. Und vielleicht hat ihm das, was er gehört hat, gefallen: Applaus und viel Lob für seine außergewöhnlichen Arbeiten.

Die Ausstellung läuft bis zum 1. April. Und zwar an Schultagen in der Zeit von 7.30 bis 16.30 Uhr. Eine Feier zum Ausstellungsende ist für Sonntag, 3. April, geplant. Dann zeigt das Kostümtheater Ko-Mode ab 17 Uhr die Ergebnisse des Workshops „Schwerelos“. (zsr)

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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