Bürgermeisterkandidat Runzheimer entspannt sich am besten auf Oldtimer-Motorrad

15 PS für einen freien Kopf

Schätzchen aus der algerischen Wüste: Diese alte BMW R 26 ist das Lieblingsgefährt von Motorradfan Dieter Runzheimer, der noch zwei weitere Maschinen in der Garage hat – und sogar noch sein altes Mofa. Mit im Bild sind Ehefrau Sigrid und Familienhund Theo. Foto:  Schwarz

Melsungen. Dieter Runzheimers Entspannungsrezept hat 15 PS, einen Zylinder und nur einen Sitz. Mit einer 51 Jahre alten BMW R 26 blubbert Melsungens Bürgermeister in gemächlichem Tempo durch Nordhessens Hügellande, wenn er Abstand von seinen Amtsgeschäften gewinnen will.

„Mein Traum: einmal den ganzen Rhein rauf und runter fahren“, sagt der bekennende Motorradfan. Neben dem Oldtimer hat Runzheimer noch eine neuzeitliche, schwere BMW sowie ein Seitenwagengespann der bayerischen Marke in seiner Schwarzenberger Garage stehen. Doch sein Liebling ist die R 26 – „eine frühere Militärmaschine aus Algerien“, erzählt der 48-Jährige, und seine Augen leuchten.

Prägender Jungentraum

In der Sache mit den Zweirädern steckt viel von Runzheimers persönlichem Entwicklungsweg drin. Sogar sein altes Mofa von 1977 gibt es noch. Er hält es in Ehren, weil es damals finanziell nicht einfach gewesen sei, sich den Jungentraum von der großen Freiheit zu erfüllen. Mehr als „eine Solo von Massa“ sei nicht drin gewesen. Das gab dann zwar ein paar Coolness-Abzugspunkte, machte aber mobil und lehrte den 15-Jährigen Wertschätzung.

Wenn man ihn heute auf die Finanzlage Melsungens anspricht, fällt Dieter Runzheimer ein: „Haushalten lernt man erst dann, wenn es eng ist.“ Auch in der als wohlhabend geltenden Bartenwetzerstadt sind große finanzielle Vorhaben längst keine Selbstläufer mehr. Seit über fünf Jahren steht der studierte Theologe inzwischen an der Spitze der Stadtverwaltung. Dort muss Runzheimer nicht nur fürs Budget geradestehen, er ist zugleich Chef von 130 städtischen Bediensteten: „Das ist eine Menge Verantwortung und andererseits toll zu sehen, was diese Truppen alles bewegen.“

„Die Menschen mitnehmen“

Laut selbst gestecktem Anspruch will er als Bürgermeister „immer versuchen, die Leute mitzunehmen“. Das gelte auch im politischen Geschäft: „Wer gleich sagt, das ist nichts, weil es aus der und der Ecke kommt, der kann nicht ernsthaft zuhören“, meint der SPD-Mann, der Wert darauf legt, „nicht als blinder Parteiideologe“ wahrgenommen zu werden.

Was sich privat geändert hat, seit er 2005 ins Rathaus eingezogen ist: „Die außerdienstliche Zeit ist knapper und kostbarer geworden.“ Alle Freizeitplanungen müssten auch Bestandteil des Terminkalenders sein – „sonst geht das in die Hose.“

Nun gehen die ersten sechs Amtsjahre zuende, und außer Dieter Runzheimer hat zur Wahl am 7. November kein anderer Bewerber den Hut in den Ring geworfen. Dass Runzheimer derzeit an Samstagen vor Supermärkten steht und das Gespräch mit den Melsungern sucht, ist für ihn mehr Rechenschaftslegung als Wahlkampf.

Runzheimer sagt, er werbe darum, von möglichst vielen Melsungern ein aktives Ja für seine bisherige Arbeit zu erhalten: „Das würde mir Rückenwind geben, den man ja auch braucht.“

Vor der Melsunger Abstimmung also ein eher gemächliches Tempo und die Hoffnung auf Rückenwind – das klingt nach einer Wahlvorbereitung, die auf den Zweirad-Oldtimerfan Runzheimer zugeschnitten ist. Weitere Artikel

Von Axel Schwarz

Quelle: HNA

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