Die Totenkirche in Treysa wurde vor 750 Jahren gebaut: Kirchengemeinde hat viele Ideen zum Festjahr

Einer Kirche fehlt das Dach

Das Geburtstagskind: Die Totenkirche ist ein sehr lebendiger Ort, das soll im Festjahr einmal mehr unter Beweis gestellt werden. Foto:s  Rose

Treysa. „Wir haben mit unseren Ideen überall offene Türen aufgestoßen“, freut sich Pfarrer Dieter Schindelmann, der die Aktionen koordiniert. Der Treysaer, der nach eigener Aussage „seit der Reformation“ - mindestens aber seit seinem Vikariat - in der Stadt lebt und arbeitet, hat vor allem die aktuellste Episode der Totenkirche, nämlich deren Sanierung, hautnah miterlebt.

„Und die ist eine Erfolgsgeschichte“, sagt Schindelmann. Ihm selbst sei seinerzeit quasi der sanierungsbedürftige Zustand des Gotteshauses buchstäblich „vor die Füße gefallen“. Teile vom Turm steckten am Fuße der Kirche im Gras, Schindelmann entdeckte sie bei einem Spaziergang. Um die Sanierung anzuschieben, gründete sich ein Förderkreis.

Der Förderkreis verpflichtete sich, ein Fünftel der Kosten aufzubringen, was schlussendlich auch gelang. Mehr als 90 Prozent der Schwalmstädter sprachen sich damals nach einem Aufruf in der Schwälmer Allgemeinen für den Erhalt der Totenkirche aus. Bis 2006 wurde die Ruine nach und nach vor weiterem Verfall geschützt, die Schätzungen für eine Sanierung bewegten sich zwischen 2,4 und vier Millionen Euro. Die Schwälmer spendeten fleißig: insgesamt 300 000 Euro. Auch die Sanierungskosten hielten sich in Grenzen. 2,3 Millionen Euro gaben Kirche, Stadt und Land schlussendlich dafür aus. 2008 löste sich der Förderkreis nach getaner Arbeit auf.

Den Erhalt der „Kirche ohne Dach“ teilen sich Stadt und Kirchengemeinde. Dieter Schindelmann glaubt, dass sich nahezu alle Schwalmstädter mit dem Gotteshaus identifizieren: „Auf dem Gelände wurden Lebensgeschichten geschrieben. Hier wurde das erste Mal geküsst oder auch Fußball gespielt. Viele Menschen haben einen emotionalen Bezug zu dem Gemäuer.“ Die Sanierung sei zu keiner Zeit ein Projekt „hinter verschlossenen Türen“ gewesen: „So ein Projekt muss das Herz anrühren. Und das ist gelungen.“ Er selbst freue sich, „an der Ewigkeit“ mitgearbeitet zu haben. Und verrät: „Meine Initialen habe ich hinterlassen. Wo, das sage ich aber nicht.“ 

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare