Nachfolger für Praxis ist gefunden

Einer der letzten Wolfhager Landärzte geht in den Ruhestand

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Einer der wenigen Landärzte im Wolfhager Land geht in den Ruhestand: Burkhard Thielemann (65) war 32 Jahre lang Hausarzt in Wolfhagen. Seine Praxis ist jetzt eine Berufsausübungsgemeinschaft und wird von seinem Sohn Christoph Thielemann, Olga Ruf und Dr. Matthias Hughes geführt.

Wolfhagen. Nach 36 Jahren geht der Wolfhager Hausarzt Burkhard Thielemann in den Ruhestand. Wir sprachen mit ihm über seine Arbeit auf dem Land.

Den 12. Juli 1970 wird Burkhard Thielmann nicht mehr vergessen. An diesem Tag entschied er, Arzt zu werden. „Ich sah, wie ein Notarzt eine bewusstlose Frau auf der Straße reanimierte. Ich selbst wusste in dem Moment nicht, was zu tun war. Da beschloss ich: Ich möchte Arzt werden.“ 48 Jahre später ist Burkhard Thielemann nun in den Ruhestand gegangen. 32 Jahre war er als Hausarzt in Wolfhagen ansässig. 28 Jahre davon führte er die Praxis alleine.

An seine Anfangszeit erinnert sich der Wolfhager noch ganz genau: „Damals gab es noch keinen geregelten Bereitschaftsdienst. Ich habe in vielen Nächten gearbeitet“.

Als Haus- und Landarzt war Thielemann in der Regel auch der erste Ansprechpartner bei Notfällen. Regelmäßige Hausbesuche gehörten für ihn zum Alltag, sagt er. „Es kam nicht selten vor, dass ich um Mitternacht noch mal raus musste“, erzählt er. Doch auch das habe er über all die Jahre gerne gemacht. In 32 Jahren entstand in Wolfhagen so manche tiefe Patientenbeziehung, die oft über drei Generationen hinweg hielt. Thielemann: „Ich habe Oma, Opa, Mutter, Vater und Kinder betreut.“

Dass man als Arzt den psychosozialen Hintergrund von Familien kennenlerne, sei für ihn hilfreich gewesen, um das Krankheitsbild der Patienten schneller zu erkennen, erklärt er. Das sei einer der Vorteile gewesen, auf dem Land als Arzt zu arbeiten. „Außerdem bin ich ein echter Wolfhager. Ich bin hier aufgewachsen, das hatte natürlich auch seine Vorteile“, sagt er. Dass sich heute viele Ärzte dagegen entscheiden, sich auf dem Land niederzulassen, kann Burkhard Thielemann trotzdem verstehen. „Man kann privat nur sehr schwer abschalten. In einer Großstadt ist man anonymer. Auf dem Land kann es vorkommen, dass dich ein Patient beim Abendessen in einer Gaststätte um ärztliche Meinung bittet“, erklärt Thielemann.

Für die Entwicklung der Ärztesituation in Wolfhagen sieht Thielemann aber nicht schwarz: Jahrelang führte er seine Praxis an der Schützeberger Straße alleine. Als im Jahr 2013 zwei andere Wolfhager Arztpraxen schlossen und keine Nachfolger in Sicht waren, hatte Thielemann ordentlich zu tun: „Es war so viel Bedarf, ich dachte auch schon ans Aufgeben“. Doch dann stiegen Dr. Matthias Hughes und Thielemanns Sohn Christoph Thielemann mit in die Praxis ein. Mittlerweile gibt es in Wolfhagen wieder fünf Arztpraxen, in denen auch zwei junge Ärzte arbeiten, sodass Thielemann zuversichtlich ist, dass die Praxen in Wolfhagen nicht so schnell leerstehen werden.

Was hat sich im Vergleich zu seinen frühen Jahren als Mediziner verändert? Die Patienten hätten heutzutage eine viel höhere Anspruchshaltung. „Patienten sind heute aufmerksamer und fordern Blutabnahmen, Röntgenbilder und Überweisungen zu Fachärzten. Früher hat der Arzt solche Dinge vorgeschlagen und nicht andersrum“, sagt Thielemann lachend.

In 36 Jahren als Arzt war Thielemann selbst nur vier Wochen krank. „Jetzt ist es an der Zeit, sich zu erholen“, sagt der 65-Jährige. Er hat sich vorgenommen, viel Zeit mit seinen Enkeln zu verbringen.

Quelle: HNA

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