Unbekannte zockten alten Mann ab

Von Betrügern eingeschüchtert: Rentner zahlte 30.000 Euro

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Schwalm-Eder. Einer besonders dreisten Betrugsmasche ist ein Rentner aus dem Schwalm-Eder-Kreis zum Opfer gefallen.

Nach mehreren Einschüchterungsanrufen zahlte er 30.000 Euro an Betrüger.

Der alte Mann hatte sogar einen Kredit aufgenommen, um den angeblichen Zahlungsverpflichtungen nachkommen. Die Betrüger lieferten immer neue Begründungen, warum eine weitere Zahlung erforderlich sei, bis sich der Geschädigte schließlich einer Familienangehörigen anvertraute, die ihm riet, sich an einen Rechtsanwalt zu wenden, teilt die Polizei mit. Der Rechtsanwalt schaltete daraufhin sofort die Polizei ein.

Die Betrüger hatten es geschafft dem Opfer einzureden, dass tatsächlich eine Zahlungsverpflichtung bestehe. Die Anrufer, die sich als Dr. C. vom Amtsgericht Berlin und Oberstaatsanwalt S. ausgaben, erklärten dem Rentner, es bestehe eine Forderung in Höhe von 36 000 Euro gegen ihn, weil er an einem Gewinnspiel teilgenommen habe.

Dabei spielte den Tätern in die Hände, dass der Rentner vor drei Jahren tatsächlich an einem Gewinnspiel teilgenommen hatte, dieses damals aber wieder gekündigt hatte. Der angebliche Oberstaatsanwalt drohte dem Rentner mit Altersarmut und Enteignung seines Hauses, wenn er nicht zahle oder falsche Angaben zu seinem Einkommen machen würde. Sie würden ihm Beamte ins Haus schicken, die alles rauskriegen und seine Sparbücher kontrollieren.

Der Rentner wurde derart eingeschüchtert, dass er in der Folge mehrere Zahlungen per Bargeldtransfer vornahm.

Polizeisprecher Reinhard Giesa beschreibt die Vorgehensweise der Täter: Mit immer neuen vorgetäuschten Szenarien versuchen sie an das Geld ihrer Opfer zu kommen. So geben sie sich beispielsweise auch als Polizeibeamte, Staatsanwälte oder Richter aus und behaupten zum Beispiel, die Angerufenen spielten in einem Ermittlungsverfahren der Polizei eine wichtige Rolle. Um die Polizei bei einer Festnahme zu unterstützen, sollten sie per Ukash oder Western Union Geld überweisen.

Die Polizei rät dringen, auf Grund solcher Anrufe keine Überweisungen/Zahlungen vorzunehmen. „Lassen sie sich am Telefon nicht einschüchtern. Wenden sie sich an die örtliche Polizeidienstelle“, empfiehlt Giesa eindringlich.

So lief die Betrugsmasche ab: 

• Betrüger gaben sich am Telefon als Dr. C. vom Amtsgericht Berlin und Oberstaatsanwalt S. aus.

• Die Täter verwenden für ihre Anrufe eine spezielle Technik, die es ermöglicht, auf der Rufnummernanzeige der Telefone ihrer Opfer eine andere Nummer anzuzeigen, zum Beispiel die Telefonnummer eines Rechtsanwalts, einer Behörde oder der Polizei.

• Die Täter geben klare Zahlungsanweisungen: Sie schicken ihre Opfer beispielsweise zur Post, um die angeblichen Kosten - häufig eine Summe von mehreren hundert bis über tausend Euro - zu überweisen, zum Beispiel per Bargeldtransfer.

• Oder sie fordern ihre Opfer dazu auf, Prepaid-Karten für Online-Käufe, wie zum Beispiel Ukash oder Paysafecard zu erwerben, mit denen man auch Geld ins Ausland überweisen kann. Diese Karten gibt es als Gutscheine an vielen Tankstellen sowie in Einzelhandelsgeschäften. Mit dem Ukash- beziehungsweise Paysafecard-Gutschein erhält der Käufer eine individuelle Nummer. Diese Nummer ist quasi Bargeld, denn wer sie hat, kann damit im Internet einkaufen. Deshalb erfragen die Betrüger unter einem Vorwand die Gutschein-Nummer bei ihren Opfern, um damit im Internet auf Einkaufstour gehen zu können.

• Ist der Angerufene kritisch und nicht so leicht zu überzeugen, üben die Täter massiv Druck aus und drohen nicht selten mit Konsequenzen wie zum Beispiel einer Strafanzeige, wenn das Opfer nicht zahlen will.

• Zahlt das Opfer dagegen, melden sich die Täter immer wieder erneut, um unter verschiedenen Vorwänden weiter Geld zu fordern. Und das Geld, das sie überwiesen haben, ist weg. (may)

Quelle: HNA

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