Bezirkskantor Jens Koch gestaltete ein Orgelkonzert in der Schlosskirche

Zum Einhören und Mitsingen

Bach, Abendlieder und Kurioses: Organist und Bezirkskantor Jens Koch gab ein Konzert in der Schlosskirche. Foto:  Rose

Ziegenhain. Bach, Abendlieder und Kurioses – so lautete der Titel eines Orgelkonzertes am Sonntagabend in der Ziegenhainer Schlosskirche. Gestaltet und erarbeitet wurde der Abend vom Bezirkskantor Jens Koch. Sein Schüler Jan Pukat war ebenfalls an der Orgel zu hören.

Das Kircheninstrument stand im Mittelpunkt der klangvollen Stunde. Koch, der bekannt für seine Interpretationen ist, überraschte einmal mehr mit einer besonderen Auswahl. Mit Druckenmüllers „Concerto“ in D-Dur lenkte der Kantor den Blick zunächst auf klassische Literatur.

Kurioses war alsbald aus England zu hören. Ein anonymer Komponist kreierte im 16. Jahrhundert drei kurze Stücke, bei denen insbesondere der mittlere Satz völlig neue Klangwelten für die Zuhörer eröffnete. Ein feiner Kontrast dazu bildete Bach „Toccata“ in D-Dur - das wohl bekannteste Orgelstück europäischer Kunstmusik.

Alle Teile sind durch motivische und harmonische Bezüge reizvoll miteinander verwoben. Besonders beeindruckend intonierte Koch die schnellen Läufe. Sakralen Charakter transportierten „Vater unser im Himmelreich“ und „Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ“. Bei den Abendliedern – unter anderem der Choral „Der Mond ist aufgegangen“ und das Volkslied „Weißt du, wieviel Sternlein stehen“ von 1818 – lud der Kantor jeweils bei einer Strophe zum Mitsingen ein, was die Zuhörer wenngleich zaghaft, aber doch hörbar taten.

Facettenreichtum war bei Johann Pachelbels Choral-Partita „Werde munter, mein Gemüte“ spürbar. „Das Werk besticht durch seine Variationen“, erklärte Koch. Originell und ungewöhnlich war auch Mozarts „Adagio“, das der Komponist ursprünglich für Glasharmonika schrieb. Das Werk entstand für eine in ganz Europa berühmte, blinde Virtuosin, die das ausgesprochene Modeinstrument des 18. Jahrhunderts perfekt beherrschte.

Für Orgel interpretiert

Benjamin Franklin hatte das Bestreichen von Gläsern mit der feuchten Hand in ein spielbares Instrument umgesetzt. Das „Adagio“ gilt als Mozarts letztes Kammermusikwerk. Der Komponist hatte es verstanden, dem zarten Klang der Glasharmonika eine ebenso dezente wie fantasievolle Begleitung an die Seite zu stellen – Koch interpretierte das Werk ebenso spannend an der Orgel.

Mit Scholefields „Der Tag, mein Gott ist nun vergangen“ entließen die Musiker ihre Zuhörer in den dunklen Herbstabend – die Wärme der Musik nahmen die Gäste wohlwollend mit nach Hause. (zsr)

Quelle: HNA

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