Situation fordert Schüler, Eltern und Lehrer

Einige Hindernisse in erster Schulwoche

Besondere Umstände: In Corona-Zeiten findet Präsenzunterricht nur für wenige Jahrgänge und mit Maske, Abstand und häufigem Lüften statt. Zu sehen sind Michael Gebhardt, Lehrer an der Christopherusschule Oberurff, und seine Schüler.
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Besondere Umstände: In Corona-Zeiten findet Präsenzunterricht nur für wenige Jahrgänge und mit Maske, Abstand und häufigem Lüften statt. Zu sehen sind Michael Gebhardt, Lehrer an der Christopherusschule Oberurff, und seine Schüler.

Heimunterricht als neuer Standard, eine Kombination mit Präsenzunterricht für Abschlussklassen und Notbetreuung für Fünft- und Sechstklässler – die erste Schulwoche im Schwalm-Eder-Kreis stand von Anfang an unter besonderen Zeichen.

Fritzlar-Homberg - Geglückt ist der Unterrichtsbeginn nur teilweise: Technische Probleme haben vielen Lehrern und Schülern einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Gleich am Montag ist unsere Online-Lernplattform ausgefallen“, erzählt Ralf Weskamp, Schulleiter der Theodor-Heuss-Schule in Homberg (THS). Die Plattform sei essenziell für den Unterricht, da Lehrer dort Unterrichtsmaterial einstellen, das Schüler dann abrufen und bearbeiten können.

Der Vater eines Fünftklässlers der THS hatte sich beschwert, dass sein Sohn unter der aktuellen Unterrichtsform leide. „In Absprache mit meinem Sohn hatte ich mich fürs Home-Schooling entschieden.“ Nun stelle er fest, dass die EDV-Kentnisse einiger Lehrer und deren Bemühen um die Aufrechterhaltung eines zielführenden Unterrichts in Einzelfällen deutlich zu Wünschen übrig lasse. Während manche Lehrer sehr um Inhalte und Schüler bemüht seien, würden andere wiederum kaum Material zur Verfügung stellen oder Ungeduld bei technischen Problemen seitens der Schüler zeigen – etwa in Videokonferenzen. „Mangelnde Empathie so mancher Lehrer hat bei meinem Sohn bereits zu Tränen geführt.“ Das dürfe nicht das Ergebnis modernen Unterrichts sein.

Einzigartige Experimentalphase für deutsches Schulsystem

Zu den Vorwürfen sagt Weskamp, dass das gesamte deutsche Schulsystem nun vor der größten Herausforderung seit Jahrzehnten stehe. „In unzähligen Fortbildungen haben wir unsere Lehrer im Umgang mit Home-Schooling, den verschiedenen Plattformen und digitalen Medien allgemein geschult.“ Man müsse bedenken, dass Lehrer momentan sowohl Präsenz-unterricht als auch Fernunterricht vorzubereiten haben. Trotz dieser Herausforderung seien die Kollegen motiviert, technische Probleme seien nun mal nicht zu vermeiden, gerade zu Beginn. „Noch befinden wir uns in einer Experimentalphase, zumal vieles nicht in unserer Macht steht.“ So stelle zum Beispiel das Land Hessen den Schulen die Unterrichts-Plattformen zur Verfügung, die momentan der gleichzeitigen Nutzung tausender Schüler standhalten müssen.

„Als Abiturientin bin ich froh über den Präsenzunterricht“, sagt Isabelle Reinhard, Schulsprecherin der Christophorusschule in Oberurff. Das betreffe zumindest die Leistungskurse sowie die Fächer Deutsch und Mathematik. Wichtig sei dies für die Vorbereitung der Abiturprüfungen, sagt Reinhard. „Natürlich ist die Lage gerade schwierig, sowohl für uns Schüler als auch für die Lehrer.“ Denen läge schließlich viel am Bestehen der Abiturprüfungen ihrer Schüler. Auch sei strukturell nachgebessert worden: „Jedem Schüler ohne eigenem Gerät steht ein Ipad zur Verfügung, das er von der Schule leihen kann.“ Verständnis sei das Wort der Stunde, Schüler Lehrer und Eltern stünden in der Verantwortung, die Lage gemeinsam zu meistern.

„Gelungener Schulstart im Kreis“

Trotz der Anlaufschwierigkeiten zeigt sich Stephan Uhde, Leiter des Staatlichen Schulamts für die Landkreise Schwalm-Eder und Waldeck-Frankenberg, zufrieden mit dem Unterrichtsbeginn. „In Summe ist der Schulstart an den Schulen im Schwalm-Eder-Kreis gelungen.“ Die Schulen seien sehr gut vorbereitet gewesen und die Kollegen arbeiteten sehr kompetent und engagiert.

Stephan Uhde, Leiter des Staatlichen Schulamts für die Landkreise Schwalm-Eder und Waldeck-Frankenberg.

Uhde bedankt sich bei allen Beteiligten – Lehrern, Schülern und Eltern – und lobt deren Leistungen. „Gerade die Videostunden fordern von den Schülern eine außergewöhnlich hohe Disziplin.“ Das Distanzlernen stelle aber auch Eltern und vor allem Lehrer vor große Herausforderungen. „Der Arbeitsaufwand, einen kompletten Videounterricht vorzubereiten und durchzuführen, ist deutlich höher als im normalen Unterricht vor der Klasse.“ Dieser werde schließlich auch noch gewährleistet, wenn auch aktuell nur für die Abschlussklassen.

Amtsleiter Stephan Uhde mit Unterrichtsbeginn zufrieden

Uhde betont, dass die Situation des Distanzlernens den Notwendigkeiten des Gesundheitsschutzes folge. Der somit besonders verlaufene Schulstart sei der aktuellen Infektionslage angemessen.

Lediglich die Technik bereite dem Unterrichtsverlauf gelegentlich Probleme. Aber, so der Schulamtsleiter, auch diesbezüglich habe man große Fortschritte gemacht. „Das Schulportal arbeitet zuverlässig, Netz und Server sind nun gefordert.“ (Raphael Digiacomo)

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