Lützelwig ist ein Stadtteil Hombergs – 115 Einwohner leben in dem Dorf an der B 254

Einmalig in Deutschland

Lützelwig: Diesen Ortsnamen gibt es nur einmal in Deutschland. Fotos: Preuschhof/Quehl

Lützelwig. Fährt man von Homberg auf der Bundesstraße 254 in Richtung Schwalmstadt, kommt man nach gut drei Kilometern nach Lützelwig. Jeder Besucher merkt gleich, dass die viel befahrene Straße das Dorf in zwei Hälften teilt. Die Einwohner müssen aufpassen, wenn sie auf die andere Seite wollen.

Links fällt die Tankstelle mit einem dahinter liegenden Autohof für Lastwagen ins Auge. Dahinter stehen nur wenige Wohnhäuser. Nicht zu vergessen der schön gelegene Friedhof, der einen weiten Blick nach Sondheim und ins Rinnetal bietet. Die meisten Gebäude, die von der Kirche überragt werden, liegen auf der rechten Seite. Ein Rundgang ist schnell beendet, zählt Lützelwig mit seinen etwa 115 Einwohnern zu den kleineren Dörfern des Schwalm-Eder-Kreises.

Jubiläum in 2014

Lützelwig hat im vergangenen Jahr sein 825-jähriges Bestehen gefeiert. Also gibt es den Ort nach den vorhandenen Urkunden mindestens seit dem Jahre 1189 – als Barbarossa Kaiser war. Wer mehr über Lützelwig erfahren möchte, kann Unterlagen über den Ort im Heimatkundlichen Archiv einsehen.

Lützelwig als Ortsname gibt es nur einmal in der Bundesrepublik. Zwar kennt man wohl fast 20 Orte mit der Vorsilbe „Lützel“ und den Nachsilben „-bach“, „-berg“, „-hausen“, „-hof“, „-sdorf“ und zwei Ortsteile „Lützel“ sogar ohne Nachsilbe, aber eben kein weiteres mit der Endsilbe „-wig“. Wer aus Norddeutschland oder aus Württemberg kommt, weiß sofort, dass mit „lützel“ oder „lütt“ etwas Kleines gemeint ist.

Die befestigte Anhöhe nordwestlich von Marburg hieß früher die „Lützelburg“, war also kleiner als das Schloss in Marburg. Auch die niedrigere Vorburg der Amöneburg wird zuweilen „Lützelburg“ genannt. Dass der Name „Lützel“wig zu einem kleinen Dorf passt, leuchtet ein.

Kämpferische Menschen

Unverständlich erscheint allerdings die Nachsilbe „-wig“, weil sie so viel bedeutet wie „ringen“, „Kampf“, Streit“, „Krieg“. Ob die Lützelwiger früher wirklich aggressiver waren als andere Dorfbewohner? Das werden wir wohl niemals erfahren.

Allerdings wurde Lützelwig früher anders geschrieben: 1189 hieß es Lucelenwic, 1247 Lutzilwich, 1336 Lytzelwik, 1556 Lutzelwieg, 1595 Luitzelwigk, 1694 Lützellwig. Damals gab es keine verbindliche Rechtschreibung, die Schüler brauchten sich in der Schule damit nicht zu quälen.

Die sozialen Unterschiede in einem Dorf waren früher erheblich. Auch in Lützelwig gab es einen Ortsadel, also eine Familie mit dem Namen „von Lützelwig“, die mehr Land besaß und mehr Rechte hatte als andere. Zumindest in der Zeit zwischen 1310 und 1540 wird der Name in Archivalien genannt. Danach wird er nicht mehr erwähnt.

An seiner Stelle tritt zwischen 1537 und 1652 die adlige Familie v. Habel als Gutsbesitzer auf und von 1652 bis 1824 die Familie von Dalwigk. Bei dem Gut handelte es sich um den späteren Bächt’schen Hof.

Alle adligen Familien hatten enge Beziehungen zum Kloster Spieskappel und zu den Landgrafen in Cassel, von denen sie Ländereien zu Lehen (gepachtet) bekamen. Diese Vorrechte des Adels wurden zum Glück im 19. Jahrhundert abgeschafft.

Von Eckhard Preuschhof

Quelle: HNA

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