Mann ohne festen Wohnsitz

Leichenfund in Kassel: 19-Jährige wohl "mittels scharfer Gewalt" getötet

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Einsatz am Wohnheim im Kassel: Zwei Tote sind im Kasseler Stadtteil Wesertor entdeckt worden.

Kassel. Nach dem Leichenfund in einem Kasseler Appartementhaus gehen die Ermittler derzeit davon aus, dass der Mann die Frau mittels scharfer Gewalt getötet habe.

Aktualisiert am 9. November um 15.08 Uhr. Anschließend habe er sich selbst auf diese Weise das Leben genommen, so lautet derzeit der Verdacht der Ermittler. 

Bei den beiden Leichen, die am Donnerstag in dem Kasseler Wohnheim Unispace gefunden worden waren, wurden augenscheinlich Verletzungen festgestellt, die diesen Verdacht bekräftigen, das teilte die Polizei in einer Pressemitteilung mit. Ob sie die Ursache für den Tod der beiden 19-Jährigen waren, soll die Obduktion der Leichname abschließend klären. Sie dauert derzeit noch an. Am Tatort wurde ein "in Frage kommendes Tatmittel" gefunden, so die Polizei.

Die Frau und der Mann starben vermutlich am Mittwochvormittag. Angehörige der Frau hatten sich Sorgen gemacht, da sie länger nichts von ihr gehört hatten. Am Donnerstagnachmittag hatten sie an der Wohnung nachsehen wollen. Im Zuge dessen wurden die beiden Toten gefunden.

Es handelt sich um zwei 19-Jährige: Die Frau mit deutscher Staatsangehörigkeit war die Bewohnerin der Wohnung, der deutsche Mann kam aus Bremen und hatte keinen bekannten festen Wohnsitz. Beide wurden zuletzt mehrfach im Appartementhaus gesehen und waren sich offenkundig bekannt.

Nun sucht die Polizei nach Zeugen, die die beiden 19-Jährigen näher kannten und Angaben zu ihren persönlichen Lebensumständen machen können.

Sie werden gebeten, sich unter Telefon 0561/9100 beim Polizeipräsidium Nordhessen zu melden.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben uns entschieden, nicht über (geplante) Suizide zu berichten, es sei denn, sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Grund für unsere Zurückhaltung ist die hohe Nachahmerquote nach jeder Berichterstattung über Selbsttötungen.

Wenn Sie sich betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufgezeigt haben.

Leichenfund Kassel: Frau und Mann in Wohnheim gefunden 

Am Donnerstag sind die beiden Leichen in einem Appartementhaus am Ostring 80 im Kasseler Stadtteil Wesertor gefunden worden. Polizei und Staatsanwaltschaft machten am Donnerstag zunächst keine weiteren Angaben. Ein Gewaltdelikt könne nicht ausgeschlossen werden, hieß es. Man ermittele in alle Richtungen.

Der Tatort, der im dritten Stock des Gebäudes liegen soll, war am Donnerstagnachmittag zu Spurensicherung abgesperrt worden. Die Arbeiten werden wohl noch bis in die Nacht andauert, hieß es am späten Abend. Am Freitag soll die Obduktion der zwei Leichen erfolgen.

Zwei Tote in Kassel: Bewohner zeigten sich bestürzt

Vor dem Haus ließ nur ein Polizeifahrzeug darauf schließen, dass dort etwas Schlimmes passiert sei. Viele Bewohner zeigten sich bestürzt. Einige hatten noch nichts von der Tat mitbekommen oder davon erfahren, als die Polizei an ihren Wohnungen geklingelt habe.

Kassel: Wohnheim 2017 fertiggestellt

Wurde 2017 fertiggestellt: Das Appartmenthaus am Ostring in Kassel

In dem Haus im Stadtteil Wesertor wohnen überwiegend Studenten. Der Unispace-Komplex mit 240 Appartements war vor gut einem Jahr fertiggestellt worden. Die Immobilie liegt unmittelbar an der vierspurigen Ihringshäuser Straße in unmittelbarer Nähe zur Universität und zum Klinikum. Gegenüber befinden sich mehrere Einkaufsmärkte, Imbisse und eine Tankstelle.

Tatort in Kassel: Hier liegt der Ostring

Leichen in Kassel gefunden: Eindrücke am Donnerstag vor Ort

Was genau in dem großen Wohnkomplex passiert ist, weiß am späten Nachmittag noch kaum jemand. Vereinzelt halten sich Studenten im Eingangsbereich des Appartementhauses Unispace auf, draußen lassen lediglich zwei Polizeiautos vage darauf schließen, dass im Inneren des Appartmenthauses etwas passiert sein muss. „Die Polizei hat bei mir geklingelt und gefragt, ob ich was gehört habe. Aber seit ich heute Nacht um 2 Uhr nach Hause kam, war eigentlich alles ruhig“, sagt ein Bewohner des Hauses. 

Man habe ihm gesagt, dass der Tatort in der Wohnung über seinem Appartement liegen soll. Von den Nachbarn höre man sonst kaum etwas, da müsse jemand schon die Musik richtig laut aufdrehen. Hunderte Briefkästen reihen sich im Untergeschoss aneinander, alle namenlos. Im Unispace scheint man eine Appartement-Nummer zu sein: Bewohner berichten von generell wenig Kontakt unter den Mitbewohnern. Alles sei sehr anonym. Wenn man den Nachbarn auf dem Flur treffe, dann grüße man freundlich. 

Der gemeinsame Aufenthaltsraum? Meistens leer. „Es war immer alles ruhig, ich habe mich hier nie unsicher gefühlt“, ergänzt der Student. Seit einem Jahr wohne er hier, wie die meisten anderen auch. Das Unispace sei vor allem bei Menschen beliebt, die ihre Ruhe haben wollen. Es gibt einen hausinternen Waschsalon, hier treffe man manchmal jemanden. Überwiegend wohnen hier Studenten, aber vereinzelt sollen auch ältere Personen wie Ärzte des nahegelegenen Klinikums eine Wohnung am Ostring angemietet haben. 

Niklas, Student im dritten Semester, berichtet von einer WhatsApp-Gruppe von Bewohnern, über die kommuniziert wurde, dass im Haus etwas passiert sei. Gegen 14.30 Uhr sei die erste Nachricht eingegangen. „Es wurde geschrieben, dass im Haus Polizisten sind, und nach und nach kamen dann mehr Infos“, berichtet er und wirkt – wie die meisten hier – irritiert. 

Über die App habe man erfahren, dass ein Flur im dritten Stock von der Polizei abgesperrt worden sei. Auch auf der Online-Plattform Jodel gaben sich Bewohner ratlos. „Weiß jemand, was am Unispace los ist?“, ist dort mehrfach zu lesen. Im Eingangsbereich des Wohnheims befragen Beamte am frühen Abend Bewohner. Die meisten kommen gerade erst von der Uni oder von der Arbeit. Sie sind bestürzt und können nicht glauben, dass sich möglicherweise eine Gewalttat ereignet haben soll. 

Am Abend bestätigt die Polizei, dass es sich bei der toten Frau um eine 19-jährige Bewohnerin handelt. Die Identität des zweiten Toten sei noch unklar. Auch wisse man nicht, ob er ebenfalls im Wohnheim gewohnt habe. Obduktionen möglicherweise schon am Freitag sollen Klarheit bringen. Noch sind viele Fragen offen.

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