Einweihung am Freitag

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Visitenkarte: Nicht nur „frisch gestrichen“ präsentiert sich Melsungens altes Bahnhofsgebäude, das in seinem Kern aus dem Revolutionsjahr 1848 stammt. Nach dem Erwerb durch die Stadt Melsungen sind fast drei Millionen Euro in die Sanierung geflossen – gut angelegtes Geld, denn das ganze Bahnhofsareal ist mit dem Einzug des Cafés Klabunde, der Volkshoch- und der Musikschule sehr viel attraktiver geworden.

Schon wieder großer Bahnhof am alten Bahnhof der Bartenwetzerstadt: Am Freitag, Punkt 14 Uhr, wird die offizielle Einweihung des von der Stadt Melsungen erworbenen und in gut fünfzehn Monaten runderneuerten Bahnhofs gefeiert.

Damit wird eine weitere Seite im Buch des in seinem Kern in den Jahren 1845 bis 1848 erbauten und später mehrfach umgebauten und erweiterten Gebäudes aufgeblättert.

Am 2. Oktober 1844 hatte Kurprinz und Mitregent Friedrich Wilhelm zu Hessen-Kassel die Genehmigung zum Bau einer Eisenbahnlinie nach Gerstungen erteilt. Sie wurde nach knapp vierjähriger Bauzeit als erste kurhessische Eisenbahnstrecke eröffnet und verband von da an Melsungen mit dem späteren Bahnknotenpunkt Bebra. Auch die Residenzstadt Kassel war nun sehr viel einfacher zu erreichen – auch wenn der Verkehrsstrang zunächst in Guxhagen endete. Die Fuldabrücke bei Guntershausen wurde erst im Jahr 1849 fertiggestellt.

Veränderter Nutzungsbedarf

Die Dampflokomotiven sind mittlerweile schon lange von E-Loks und seit einiger Zeit von modernen Regionalverkehrszügen und Regio-Trams abgelöst worden. So wurde es Zeit, dass auch das Bahnhofsgebäude dem veränderten Nutzungsbedarf angepasst und wieder auf Hochglanz gebracht wurde. Knapp 3 Millionen Euro investierte die Stadt Melsungen insgesamt. Dabei flossen aus EU-EFRE-, Stadtumbau- und Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz-Töpfen 2,5 Millionen Euro Fördermittel in das Säckel der Kommune.

Etwa 20 Firmen waren beim Umbau aktiv, um ein schmuckes, barrierefrei zugängliches und rollstuhlgerechtes Gebäude „aus dem Hut zu zaubern“, das den heutigen Anforderungen gerecht, und vor allem wieder sinnvoll genutzt, wird.

Komplette Entkernung

Das teilweise abgängige Mauerwerk wurde mitsamt einiger Decken mittels Stahlkonstruktion ertüchtigt. Fast 70 Prozent aller Wände wurden bei der kompletten Entkernung des Gebäudes entfernt und fast 60 Prozent aller Decken wurden neu eingebaut – darunter waren auch in Mischkonstruktion aus Holz und Beton errichtete Holzverbunddecken. Die Fassade und das Dach des gesamten Bahnhofsgebäudes wurden mit einer im Mittel 14 Zentimeter starken Wärmedämmung versehen.

Darüber hinaus wurden neue Holzfenster mit Wärmeschutzverglasung, eine umweltfreundlich mit Holzpellets betriebene 100-KW-Heizungsanlage, eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung und eine Aufzugsanlage für einen behindertengerechten Zugang zu allen Ebenen eingebaut. Erhaltenswertes wurde erhalten, beispielsweise die alte Treppenanlage mit eingespannten Sandsteinstufen und dem geschmiedeten Geländer im Treppenhaus 2.

Vom Eisenbahnbetrieb ist nicht mehr viel zu sehen, denn das Gleisbild-Stellwerk, von dem aus der Zugbetrieb gesteuert wird, ist ins Obergeschoss des Bahnhofsgebäudes gezogen. Überhaupt: Der gesamte Bahnhofsvorplatz ist umgestaltet worden, sodass man jetzt als Fußgänger oder als Autofahrer von den 160 Parkplätzen aus einen besseren und ebenfalls behindertengerechten Zugang zu den Bahnsteigen hat – und natürlich zum bereits eröffneten Café der Bäckerei Klabunde, deren Mitarbeiter auch für den Verkauf von Fahrkarten und weiteren Bahn-Service zuständig sind.

Dass aus dem Eisenbahn-Bahnhof sogar ein Bildungs-Bahnhof geworden ist, liegt daran, dass Volkshoch- und Musikschule komplett in das Gebäude eingezogen sind. Beide Institutionen verfügen jetzt über hervorragend ausgestattete Räumlichkeiten. Ähnliches gilt für die „Starthilfe“, die weitere Räume im ehemaligen Güterschuppen erhalten hat, der vom eigentlichen Bahnhofsgebäude aus mit Nahwärme versorgt wird. Im Keller des Bahnhofsgebäudes hat sich darüber hinaus die Firma OR-Networks einquartiert, die von hier aus über Lichtwellenleiter dafür sorgt, dass alle Melsunger Stadtteile via DSL an das Internetangebunden sind. (zwa)

pdf der Sonderseite Bahnhof Melsungen

Quelle: HNA

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