"Nase voll vom Schnecken-Internet"

Einwohner der Breunaer Ortsteile fordern schnelleres Netz

+
Die Verbindung in den Ortsteilen ist schlecht: Internetnutzer in Ober- und Niederlistingen haben das Nachsehen.

Breuna. Die E-Mails checken, eine Bewerbung versenden oder einen Blockbuster streamen – was für die meisten längst möglich geworden ist, bleibt den Menschen in Ober- und Niederlistingen verwehrt.

Wie viele kleine Gemeinden in Deutschland, sind auch die Breunaer Ortsteile digital zwar nicht abgehängt, doch aber stark eingeschränkt. Seit 2009 werden sie durch den Kasseler Anbieter ACO-connect per Richtfunk mit angeblich schnellem Internet versorgt, in den Haushalten allerdings scheint das nicht anzukommen.

Die Verbindung ist eine Katastrophe, sagt David Groß.

„Es ist zeitweise eine Katastrophe“, sagt David Groß am Dienstagabend bei einer Bürgerversammlung im Niederlistinger Dorfgemeinschaftshaus. „Zu Stoßzeiten, wenn viele gleichzeitig im Internet unterwegs sind, ist der Empfang so schlecht, dass teilweise gar nichts mehr funktioniert.“ Der 26-jährige Niederlistinger hat die Nase voll vom Schnecken-Internet, und hofft nun auf eine Lösung durch die Düsseldorfer Breitbandexperten des Unternehmens Micus.

Lieferte ein wichtiges Argument: Christian Mische

Micus-Geschäftsführer Andreas Spiegel sieht durchaus Möglichkeiten, Breuna auf der Datenautobahn doch noch auf die Überholspur zu bringen. Die Gemeinde hat ihn beauftragt, nach Alternativlösungen zu gefördertem Breitbandausbau zu suchen. „Häufig zeigt sich, dass Glasfaserausbauprojekte durchaus wirtschaftlich sein können, die Netzbetreiber aber zunächst auf den bestehenden Bedarf in den Orten aufmerksam gemacht werden müssen“, so der Experte, der genau dies nun tun und Kosteneinsparpotenziale analysieren wolle, etwa durch die Nutzung vorhandener Infrastruktur.

Micus-Geschäftsführer Andreas Spiegel

In der könnte tatsächlich die Lösung liegen, denn die vorhandene Infrastruktur sei für Netzbetreiber „ein Traum“, wie Christian Mische dem Düsseldorfer Experten aus den Zuschauerreihen zurief. Die unmittelbar an den Ortschaften verlaufende Gasleitung verfüge über ein sogenanntes Weitverkehrskabel, und dieses zu nutzen, müsse „ein Klacks“ sein und lieferte Spiegel ein wichtiges Argument für seine Verhandlungen. Derartige Kabel seien eigentlich nicht für die Versorgung von Endkunden bestimmt und zunächst einmal Steuerleitungen des Gasunternehmens, so Spiegel. Da sie aber wesentlich mehr als die eigenen Steuerdaten transportieren könnten, würden freie Kapazitäten unter Umständen vermietet. Ein Netzbetreiber könnte sich somit dranhängen, um von dort ein Netz über den Orten aufzubauen, ohne kostspielige Zuleitungen legen zu müssen. Die Nieder- und Oberlistinger wollen in einer Arbeitsgruppe jetzt Argumente sammeln, um Micus in den anstehenden Gesprächen mit den Netzbetreibern zu unterstützen.

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare