Konkurrenz aus dem Internet

Einzelhändler im Landkreis ziehen gemischte Bilanz bei Weihnachtsgeschäft

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Die Melsunger Fußgängerzone: Zu wenig Kunden, hier im Bild HNA-Volontärin Evelyn Paul, kamen zum Einkaufen in die Innenstadt, sagen die Melsunger Einzelhändler. Viele bestellten ihre Weihnachtsgeschenke lieber im Internet.  

Wie lief das Weihnachtsgeschäft für Einzelhändler im Schwalm-Eder-Kreis? Wir haben nachgefragt. Die Bilanz fällt sehr unterschiedlich aus.

Melsungen/Felsberg

So zieht Achim Merz, Vorsitzender der Gemeinschaft des Melsunger Einzelhandels (GME) und Inhaber vom Elektronik-Fachmarkt EP Schanze, eine ernüchternde Bilanz. „Die Ziele, die wir uns gesteckt hatten, wurden nicht erreicht“, sagt er auf HNA-Anfrage. Auch seien ersten Schätzungen zufolge die Umsätze im Weihnachtsgeschäft geringer ausgefallen als im Vorjahr.

Fünf bis zehn Prozent, schätzt Merz, liegen die Umsätze in seinem Fachmarkt unter den Ergebnissen des Vorjahres. „Wir haben in Melsungen, genau wie in anderen Städten auch, starke Frequenzverluste.“ Durch den Onlinehandel gingen viele Leute nicht mehr in die Städte zum Einkaufen.

In seinem Elektronikfachmarkt verzeichne er immer mehr Rückgänge im Bereich Elektrokleingeräte. Dinge wie Rasierer oder Kopfhörer würden zunehmend im Internet bestellt.

Bei Großgeräten hingegen könne der Einzelhandel noch punkten. „Dort benötigen die Leute unseren Service und trauen sich nicht, im Internet zu bestellen.“ Ein beliebtes Geschenk zu Weihnachten seien Fernseher gewesen. „Und die Dauerbrenner wie Schmuck und Parfüm waren auch wieder gefragt“, sagt Merz.

Positiv fällt hingegen das Fazit bei Heike Vockeroth von Foto und Buch in Gensungen aus. „Unser Weihnachtsgeschäft war eher etwas besser als im vergangenen Jahr.“ Das liege vermutlich daran, dass in dem Buchladen seit einiger Zeit auch eine Postfiliale untergebracht ist. Menschen kämen, um ihre Päckchen abzugeben – und würden auf diese Weise auch den Buchladen verstärkt wahrnehmen. Einen Weihnachts-Bestseller habe sie nicht ausgemacht, sagt Vockeroth. „Aber die Leute kaufen wieder vermehrt Hardcover, anstatt auf die Taschenbuchausgabe zu warten.“

Für Hans-Ulrich Winzenburg, Inhaber des gleichnamigen Elektro-Fachgeschäfts in Felsberg, lief das Weihnachtsgeschäft ähnlich gut wie im vergangenen Jahr. „Ich bin auf jeden Fall zufrieden“, sagt er.

Besonders gut verkauften sich in der Vorweihnachtszeit laut Winzenburg Fernseher, Heimkino-Anlagen und Bluetooth-Lautsprecher, außerdem Kleingeräte wie Rasierer und elektrische Zahnbürsten. Ähnlich wie im Vorjahr lief das Weihnachtsgeschäft auch bei der Modepalette by Jung in Felsberg, sagt Inhaber Thomas Jung. Nach dem Fest mache sich bemerkbar, dass viele ihre als Weihnachtsgeschenk erhaltenen Gutscheine in dem Bekleidungsgeschäft einlösten. 

Schwalmstadt

Das Weihnachtsgeschäft ist für Einzelhändler eine wichtige Zeit des Jahres. Doch der Online-Handel bleibt ein starker Konkurrent. Beides wird schnell deutlich, wenn man sich wenige Tage nach Heiligabend bei Einzelhändlern aus dem Altkreis Ziegenhain umhört. Sie ziehen überwiegend eine positive Weihnachtsbilanz. Es zeigen sich aber auch Unterschiede zwischen den Geschäften. Vor allem Bücher und Spiele sind gefragt. 

„Weihnachten ist im Spielwarenhandel ganz wichtig. Es wird viel Geld ausgegeben, besonders für Kinder“, sagt Silvia Moser. Sie ist die Inhaberin des gleichnamigen Spielzeugladens in der Bahnhofstraße in Treysa – und mit den diesjährigen Umsätzen im Weihnachtsgeschäft zufrieden. In der Woche vor Heiligabend sei viel Betrieb in ihrem Geschäft gewesen. Kunden hätten allen voran Schleich-Figuren und Brettspiele gekauft. Aber auch die nächsten Tage seien wichtig, sagt Moser. Dann, wenn die Menschen geschenktes Geld ausgeben und Gutscheine einlösen. Den Online-Handel spricht Moser von sich aus an. Dieser sei eine Konkurrenz, sagt sie. „Kunden kaufen aber auch bewusst vor Ort ein. Sie legen Wert auf eine Beratung. Und das kann der Online-Handel nicht bieten.“ 

Auch bei Zimmermann und Heiland in der Wiederholdstraße in Ziegenhain macht sich das vielfältige Angebot im Internet bemerkbar. Die Umsätze im Weihnachtsgeschäft seien im Vergleich zum vergangenen Jahr zwar konstant, sagt Silvia Heiland, die das Geschäft für Schmuck und Uhren mit Thomas Zimmermann leitet. „Es müsste aber besser laufen.“ Gutscheine und Geldgeschenke würden kaum eine Rolle spielen. Ein Problem sei, das kaum gebummelt und ein „Erlebniseinkauf“ in der Großstadt bevorzugt wird. 

Auf der Suche nach einem passenden Geschenk sind Bücher offenbar weiter sehr beliebt. „Die Tendenz, ein Buch zu verschenken, ist nach wie vor vorhanden“, sagt Renate Schellenberger, die Geschäftsführerin des Buchladens Hexenturm. Sie spricht von höheren Umsätzen als im vergangenen Jahr und einem „guten Weihnachtsgeschäft“, das für den Buchladen in der Ascheröder Straße in Treysa eine große Bedeutung hat. „Das Weihnachtsgeschäft reißt das ganze Jahr raus.“ 

War mit dem Weihnachtsgeschäft zufrieden: Renate Schellenberger, die Geschäftsführerin des Buchladens Hexenturm in der Ascheröder Straße in Treysa.

Wenn es um den Online-Handel geht, bleibt Schellenberger gelassen – auch wegen der Buchpreisbindung. Diese regelt, dass Verlage für Bücher einen Preis festlegen müssen, der für alle Verkäufer verbindlich ist. Zudem könnten Kunden auch über die Website des Ladens ihre Bücher bestellen, sagt Schellenberger. Es würden viele Kunden aber auch Wert auf eine Beratung legen. „Und wenn vor Ort gekauft wird, sichert das auch Arbeitsplätze“, betont Schellenberger. 

Kurz noch ein Blick auf den Schuhladen Herche in Treysa. „Wir haben kein klassisches Weihnachtsgeschäft“, sagt Inhaber Christian Herche. „Bei uns kommt es auf das Wetter an.“ Und das war für gute Umsätze bislang nicht kalt genug.

Quelle: HNA

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