Horst Battenberg betreibt einen der letzten kleinen Mühlenbetriebe in der Region

Ein Einzelkämpfer am Mahlwerk der Kranzmühle

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Das Roggenmehl ist fertig: Müller Horst Battenberg füllt das Mehl in Säcke nachdem das Getreide 16 Mal durch die Walzen des Mahlwerks der Schrecksbacher Kranzmühle gelaufen ist.

Schrecksbach. Der Holzboden knarrt bei jedem Schritt. Überall liegt Mehlstaub. Ein lautes Summen liegt permanent in den Ohren. Man fühlt sich in die Mitte des vorigen Jahrhunderts zurück versetzt, wenn man in der Kranzmühle in Schrecksbach zwischen den Mahlmaschinen, Rohrleitungen und dem riesigen Keilriemen umher geht. Seit über 40 Jahren heißt der Müller hier Horst Battenberg.

Er war 13 Jahre alt, als er in die Müllerlehre kam. Das war im Jahr 1961. Aber schon vorher konnte er sich keinen anderen Beruf vorstellen. „Ich bin als Müller geboren.“ Tatsächlich erblickte er 1948 in der Kranzmühle das Licht der Welt. Schon damals war die Mühle der Familienbetrieb der Battenbergs. Früh half er im Betrieb. Später übernahm er ihn von seinem Vater, nachdem er 1969 seinen Meisterbrief erhalten hatte.

Heute ist Battenberg „Einzelkämpfer“, wie er selbst sagt. Denn er betreibt die Mühle mittlerweile alleine. Zwei Tonnen Getreide verarbeitet er an einem Mahltag innerhalb von 24 Stunden zu Mehl. „Hier wird nur Roggen gemahlen“, erklärt der Müller. Denn Roggen wirft im Vergleich zu Weizen, der meist in Großbetrieben gemahlen wird, mehr Gewinn ab. Zwei bis drei Mal in der Woche wird gemahlen. An den anderen Tagen fährt Battenberg das Mehl zu seinen Kunden.

Den Roggen kauft der Müller von Bauern aus der Umgebung. Das Mehl verkauft er dann an Bäckereien und Privatkunden. „Geschmacklich gibt es keinen Unterschied zwischen meinem Mehl und dem im Supermarkt“, weiß er. Seine Kunden seien ihm seit Jahren treu und vertrauten seiner Arbeit.

Battenberg hat in seinem Ein-Mann-Betrieb viele Aufgaben. Bevor die Bauern das Getreide in die Falltür im Hof vor der Mühle kippen dürfen, muss der Müller das Korn prüfen. „In meinem Labor messe ich Feuchtigkeit und Qualität des Roggens“, erklärt er. Dann lagert er das Getreide in Silos ein. Dafür wird es durch Rohre geleitet. Um eine konstante Qualität zu gewährleisten, muss er die Getreidelieferungen aller Bauern vor dem Mahlen mischen. 16 Mal muss das Korn dann durch verschiedene Stahlwalzen. Battenberg: „Das Getreide muss schonend zerkleinert werden.“ Sonst würden zu viele Stärkeköner zerstört, was zu einem schlechteren Geschmack des Mehls führen würde.

Der 64-Jährige will den Betrieb noch so lange er kann aufrecht erhalten. „Das schulde ich meinen Kunden.“ Wie es danach mit der Kranzmühle weiter geht, weiß Battenberg noch nicht: „Kleinbetriebe wie dieser lohnen sich einfach nicht mehr.“ Kinder, die den Betrieb weiter führen könnten, hat er nicht. Das Roggenmehl aus Schrecksbach wird es aber noch eine Weile geben, versichert er.

Von Jonathan Vorrath

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Quelle: HNA

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