Horst Rother musste wegen der Kubakrise 18 Monate Wehrdienst leisten

Einzug zum Geburtstag

Wehrdienst in den 60er-Jahren: Horst Rother (oben) als 21-Jähriger beim Bund und heute (Bild rechts). Fotos: privat/zih

Wolfhagen/BALHORN. Während der größte Teil seiner Freunde des Jahrgangs 1941 schon ihre gesetzliche Wehrpflicht abgeleistet hatten, hörte und sah Horst Rother aus Balhorn, der in Oberschlesien geboren und in Oberkaufungen aufgewachsen ist, nichts vom Bund. Doch die Hoffnung des gelernten Maschinenschlossers, dass die Bundeswehr ihn vielleicht doch vergessen würde, zerplatzte an seinem 21. Geburtstag wie eine Seifenblase.

Zusammen mit Glückwunschkarten fand er in seinem Briefkasten die Einberufung. Am 1. April 1962 hatte er in der Ausbildungskompanie 4/2 im Panzerbataillon 54 in der Wolfhager Pommernkaserne anzutreten. Rother: „Da war ich richtig sauer.“ Denn ein Quartal vorher war wegen der Kubakrise die Wehrpflicht auf 18 Monate verlängert worden.

Sein Zuhause für diesen Zeitraum war eine mit neun Mann belegte Stube. „Eine tolle Kameradschaft, aber auch drei harte Monate. Denn einige Ausbilder waren noch „richtige Komissköppe von früher, nicht zimperlich in ihrem Befehlston.“

Rother erinnert sich: „Wir lernten bei der Ausbildung im Feld im Tiefgang hautnah alle Hänge und Wasserläufe rund um Wolfhagen kennen.“ Bei einem Marsch bekam er einmal von einem Ausbilder zu hören: „Ihr müsst laufen, bis euch das Blut in den Stiefeln steht.“

Der Dienst dauerte immer bis Samstagmittag, vorausgesetzt, beim Stuben- und Spindreinigen gab es keine Beanstandungen. Spätestens um 22 Uhr musste jeder wieder in der Kaserne sein. Zum ersten Mal nach Hause, natürlich in Uniform, durften Horst Rother und seine Mitstreiter erst nach vier Wochen nach erfolgreicher Abnahme des Grußappells.

Nach der Grundausbildung wurde Horst Rother in die Stabs- und Versorgungskompanie des Panzergrenadierbataillons 43 in Fritzlar versetzt. Dort kam er in die Erkundungsgruppe. „Abgesehen vom scharfen Umgangston unseres Kompaniechefs, der als Mitbeteiligter beim Iller-Unglück degradiert vom Major zum Hauptmann nach Fritzlar versetzt wurde, eine angenehme Soldatenzeit.“

Eine Woche Sonderurlaub

Zusammen mit anderen Kameraden qualifizierte sich Rother als Bataillons-, Brigade- sowie Divisionsmannschaftssieger für die Heeresmeisterschaften im Schießen. Der Lohn: eine Woche Sonderurlaub.

Als weiteren Höhepunkt seiner Dienstzeit bezeichnete Horst Rother ein vierwöchiges Manöver in Frankreich, das erste größere der Bundeswehr im Ausland. Eine Woche davon brauchte Rother nicht bei der Truppe verbringen. Es wurde gefragt, wer Interesse an einer Freizeit der evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung im südfranzösischen Arles hätte. „Da habe ich mich natürlich sofort gemeldet und diese Zeit mit Baden im Mittelmeer genossen.“

Noch ein Erfolgserlebnis: Als Soldat in Fritzlar lernte er ein Balhorner Mädchen kennen und lieben, das er kurz nach Ende seiner Wehrdienstzeit 1964 heiratete. (zih)

Quelle: HNA

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