Gefriergemeinschaft Lischeid sucht neue Mitglieder, sonst droht das Aus für das Gebäude in diesem Jahr

Eisheilige zittern ums Kühlhaus

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In der Kälte: Jäger Gunter Köneke hat drei Kühlfächer angemietet. Vereinsvorsitzende Annemarie Wilhelm hofft auf mehr Beteiligung an der Gefriervereinigung. Fo

Lischeid. Die Mitglieder der Gefriergemeinschaft Lischeid, liebevoll die Eisheiligen genannt, zittern um ihr Kühlhaus. Denn der Mitgliederrückgang macht dem kleinen Verein zu schaffen. Am 21. März wird in einer Versammlung im Dorfgemeinschaftshaus über eine der letzten Gefriergemeinschaften Nordhessens entschieden.

Noch hält der Verein sich finanziell über Wasser, doch „wenn es so weiter geht, sind unsere Reserven am Ende des Jahres aufgebraucht“, sagte Vereinsvorsitzende Annemarie Wilhelm. 44 Gefrierfächer und zwei Vorfroster gibt es in Lischeid. 1960 wurde das Kühlhaus in Betrieb genommen, 430 Mark kostete ein Kühlfach damals, erinnerte sich Annemarie Wilhelm.

Nur noch wenig Interesse

Derzeit sind alle Fächer belegt, doch das Interesse habe deutlich nachgelassen. „Zugezogene wissen manchmal gar nicht, dass es so etwas hier noch gibt“, sagt die Vereinsvorsitzende. Wer ein Kühlfach besitzt, trägt Kosten und Pflichten der Anlage mit. Es ist allerdings auch möglich, sich eine Fach zu mieten. Das kostet fünf Euro im Monat.

Gunter Köneke hat drei Fächer gemietet, der Jäger lagert dort sein Fleisch ein. „Für Jäger ist solch ein Kühlfach optimal“, erzählt er. Auch Gartenbesitzer und Leute, die selbst schlachten, können seiner Ansicht nach von der Gefriergemeinschaft profitieren. Ein häufiges Szenario ist nach seiner Erfahrung: Die alten Besitzer eines Kühlfachs sterben und die Erben hätten kein Interesse und kümmerten sich nicht weiter um die Anlage.

Vor vier Jahren investierte der Verein noch einmal viel Geld in sein Kühlhaus. Für 3000 Euro wurde der Motor des Kühlaggregats erneuert. „Der funktioniert nun einwandfrei“, sagte Köneke. Annemarie Wilhelm sieht eine veränderte Esskultur als Grund für das abnehmenden Interesse an den Gefriergemeinschaften. Heute kaufen viele Menschen nur die Lebensmittel für den täglichen Bedarf ein. „Früher kam noch eine Hauswirtschafter ins Dorf und erklärte, wie man Lebensmittel richtig frostet“, erinnert sie sich.

Minus 22 Grad herrschen in den Kühlfächern, die Nahrung sei dadurch sehr lange haltbar. „Es ist auch stromsparender als die eigene Kühltruhe zu Hause“, sagte Vorsitzende.

Ende Januar hatte die Gefriervereinigung zu einer Versammlung eingeladen. Danach wurden Zettel verteilt, auf denen die Mitglieder ankreuzen können, ob sie weiterhin an den Kühlfächern interessiert sind. Die Abgabe der Stimmzettel endet am 16. März. Nun hofft der Verein auf neue Interessenten. Danach entscheidet sich das Schicksal der Lischeider Eisheiligen.

• Wer sich für ein Kühlfach interessiert, meldet sich bei Annemarie Wilhelm unter Tel. 06696/453.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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