Eklat bei VdK-Versammlung:

Frau eines Rollstuhlfahrers wegen Nachfrage angepöbelt

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Rampe erforderlich: Dieter Briegel (60) ist auf behindertengerechte Anlagen angewiesen. Aus diesem Grund konnte er bislang nicht an den VdK-Versammlungen teilnehmen. Zudem braucht er häufig die Hilfe seiner Frau Beate (49), die den Wunsch auf andere Veranstaltungsräume stellte.

Wolfhagen. „Ich bin auch heute noch entsetzt“, sagt Beate Briegel aus Wolfhagen. Die 49-Jährige kann die Geschehnisse, die sich während der Jahreshauptversammlung des VdK-Ortsverbands Wolfhagen ereigneten, nicht vergessen. „Denn das, was da ablief, war einfach nur schlimm und ist für mich bis heute nicht zu fassen.“

Was war passiert? Während der Mitgliederversammlung, die traditionell in der Gaststätte Zum Chattenturm stattfindet und an der rund 150 Personen teilnahmen, meldete sich beim Themenpunkt „Verschiedenes“ VdK-Mitglied Beate Briegel zu Wort. „Ich bin aufgestanden und fragte, ob die Veranstaltungen künftig in einem behindertengerechten Raum stattfinden können.“

Ihr Mann sitzt im Rollstuhl, könne deshalb nicht den Versammlungen beiwohnen. Sie nannte unter anderem das DGH in Istha als alternativen Veranstaltungsort. „Der VdK ist ja ein sozialer Verein“, sagt sie, „und die Frage war ja auch ganz harmlos gemeint. Auf eine frühere schriftliche Anfrage erhielt ich keine Antwort“.

Tränen in den Augen 

Der Sozialverband VdK ist ein gemeinnütziger Verein mit Hauptsitz in Bonn-Bad Godesberg. Gegründet wurde er 1950 in Düsseldorf und zählt aktuell 1,7 Millionen Mitglieder. Der VdK Deutschland versteht sich nach eigenen Angaben als „starke Lobby für Menschen, die benachteiligt sind und Hilfe brauchen“. Auf seiner Internetseite heißt es, der Verein betreibe eine „engagierte Interessenvertretung der Mitglieder gegenüber der Politik“, beweise „großes Engagement für soziale Gerechtigkeit, für Gleichstellung“ und sei „gegen soziale Benachteiligung“. Der Fokus liege zudem auf sozialer Gerechtigkeit, Solidarität und Hilfe zur Selbsthilfe.

Doch was dann folgte, habe ihr Tränen in die Augen getrieben. Denn auf ihren Vorschlag habe sofort ein Vereinsmitglied geantwortet. Briegel erinnert sich noch genau an den Wortlaut: „Nur weil ihr Mann behindert ist, werde ich nicht nach Istha fahren.“ Des Weiteren habe eine andere Person lautstark gesagt, dass sich ihr Mann doch eine Windel anziehen solle, erzählt Briegel.

Bestätigt wurden diese Aussagen von Rosemarie Bernst. Sie ist zwar kein VdK-Mitglied, begleitet aber ihre 88-jährige Mutter Sophie zu allen Veranstaltungen. Die Mutter sitzt im Rollstuhl, könne jedoch einige Meter laufen, sodass sie Treppenstufen gehen und an der Veranstaltung teilnehmen konnte, sagt die Tochter.

„Aber dass so etwas ausgerechnet beim VdK passiert, ist besonders schlimm. Man sollte nachdenken, was die Grundgedanken des Verbands sind“, sagt sie weiter. Ihre Mutter habe sich persönlich angegriffen gefühlt. Denn für sie und viele andere Mitglieder wäre ein behindertengerechter Raum vorteilhaft. Deshalb sei sie nach dem Vorfall auch aus dem Verband ausgetreten.

Der Vorstand habe auf der Sitzung dann mitgeteilt, dass das Thema eines behindertengerechten Raumes intern angesprochen wurde. Aber das konnte Beate Briegel dann nicht mehr trösten. „Eine Entschuldigung haben wir bis heute nicht erhalten“, sagt Briegel. Noch sind die 49-Jährige und ihr Mann Mitglied im Ortsverband. Sie hoffen darauf, dass sich im Verein etwas ändert.

Der Vorsitzende Karl-Heinz Schacht wollte sich ebenso wie Vorstandsmitglied Heinz Belloff nicht zu den Geschehnissen äußern.

Von Nico Beck

 

Quelle: HNA

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