Elisabeth Riedemann aus Wolfhagen leidet unter seltener Störung

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Reagiert allergisch auf Tabak, Parfüm, Weichspüler, Heizöl und weitere flüchtige chemische Substanzen: Die Wolfhagerin Elisabeth Riedemann leidet unter MCS – Multiple Chemikaliensensitivität. Sie stärkt sich täglich mit einer Vielzahl an Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln. Um den Hals trägt sie ein kleines Gerät, das die Luft in ihrem unmittelbaren Umfeld filtert.

Wolfhagen. Ein Leben ohne Kino und Kaffeekränzchen, ohne Grillfeste und Konzertbesuche, ohne ausgiebige Einkaufsbummel, Treffen mit Freunden und Vereinsaktivitäten. Für die meisten Menschen dürfte das unvorstellbar sein. Für Elisabeth Riedemann ist das seit fast zehn Jahren Realität.

Sie leidet unter einer Chemikalienunverträglichkeit. Die Wolfhagerin reagiert auf Gerüche extrem empfindlich.

„Wie gerne würde ich einmal über den Viehmarkt bummeln, wenn richtig was los ist“, sagt die 62-Jährige. Doch der Besuch hätte für sie gesundheitliche Konsequenzen. Der Cocktail aus Zigarettenrauch, Parfüm, Haarspray und Waschmitteln würde bei ihr zu einer stark abgeflachten Atmung führen. Schwindel, steigender Blutdruck, rasender Puls und Konzentrationsstörungen kämen dazu und hielten je nach Intensität der Gerüche für mehrere Tage an. Um wenigstens etwas von Wolfhagens größten Volksfest mitzubekommen, geht sie hin, wenn die Stände gerade geöffnet haben und nur wenig Menschen auf den Beinen sind. Ausgestattet ist sie dann mit einer Maske, die Mund und Nase bedeckt und die sie unter einem Tuch versteckt. „Denn die Leute gucken mich schon schief an“, sagt Riedemann, die sich oft ausgegrenzt fühlt. Um den Hals trägt sie ein kleines, unauffälliges Gerät, das die Luft in ihrem unmittelbaren Umkreis filtert. Es gibt ihr Sicherheit und die Freiheit, sich nicht komplett aus dem öffentlichen Leben zurückziehen zu müssen.

Im Sommer fällt es ihr leichter, mit den Folgen der Chemikalienunverträglichkeit zurecht zu kommen. Der Höhepunkt des Tages ist dann der Besuch des Freibades am frühen Morgen. „Beim Schwimmen tanken meine Lungen viel Sauerstoff“, sagt sie. Doch auch dort lauern Risiken. Während sie den Chlorgeruch gut tolerieren könne, könne ein frisch rasierter Schwimmer, dessen Haut nach Rasierwasser riecht, den Badebesuch schnell beenden. „Meine morgendlichen Mitschwimmer sind ganz lieb. Sie verzichten auf Duftstoffe, halten mir die Außenbahn frei, ziehen neben mir ihre Bahnen und passen auf mich auf.“

WC-Duftsteine sind Problem 

Elisabeth Riedemann hat gelernt, mit der Multiplen Chemikaliensensitivität (MCS) zu leben. Dazu zwängt sie ihren Alltag in ein Korsett mit vielen Ruhepausen. Den Besuch in anderen Häusern vermeidet sie. „Der Duftstein in Toiletten ist für mich schon ein Problem.“ In ihrem Haushalt gibt es nur Reinigungs- und Pflegemittel, die frei sind von Parfüm und die sich von einem speziellen Anbieter bezieht. Genauso wie die Nahrungsergänzungsmittel und Vitamine. 250 Euro gibt sie dafür pro Monat aus. Die Krankenkasse übernimmt keine Kosten, da MCS nicht als Krankheit anerkannt sei, sagt die Wolfhagerin.

Erst nach dem sie Klage eingereicht hatte, sei im Jahr 2010 nach zwei Jahren Kampf ihrem Rentenantrag stattgegeben worden. Dazu habe es mehrerer Gutachter bedurft. Nun bezieht die gelernte Bankkauffrau eine Erwerbsunfähigkeitsrente.

Quelle: HNA

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