Für die Anwohner wird es teuer

Ellenberger Klärgruben auf dem Prüfstand

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Hohe Kosten kommen auf die Ellenberger zu: Ortsvorsteher Axel Kroll (von links), Anni Bernhard und Dieter Griesel vor der Hausklärgrube auf Bernhards Grundstück. 

Ellenberg. In Ellenberg wird es für viele Anwohner teuer: Bis zu 400.000 Euro müssen die Ellenberger aus eigener Tasche für die Erneuerung ihrer Hausklärgruben bezahlen. 

In Ellenberg hat jeder für die Entsorgung seines Abwassers eine eigene kleine Klärgrube im Garten. Alle Gruben münden in eine Teichkläranlage im Ort. Diese Sonderrolle der Ellenberger schlägt sich nicht nur in höheren Abwassergebühren nieder, sondern jetzt steht zahlreichen Anwohnern auch eine deftige Einmalzahlung ins Haus. 400.000 Euro, so schätzt Dieter Griesel (76, Ellenberg), müssen die Einwohner Ellenbergs in den kommenden Monaten in ihre Gruben investieren.

Die Ellenberger müssen derzeit überprüfen lassen, ob ihre Gruben dicht sind. Sickert Abwasser aus der Grube ins Erdreich, muss sie saniert werden. Im schlechtesten Fall muss sogar eine neue Grube her. Kosten: etwa 10.000 Euro. 

Anfang des Jahres bekamen die Ellenberger die Mitteilung des Kreises über die anstehende Dichtheitsprüfung von der Gemeinde weitergeleitet. „Das kam völlig überraschend“, sagt Griesel. Viele hätten mit dem Schreiben, in dem es heißt, dass bis zum Ende dieses Jahres die Prüfung erledigt sein muss, erstmal gar nichts anfangen können. Denn schließlich musste eine solche Prüfung noch nie gemacht werden. „Weil ich von vielen Nachbarn angesprochen worden bin, habe ich dann angefangen, mich um die Sache zu kümmern.“ Der 76-Jährige schrieb für sich und etwa 130 Nachbarn zahlreiche Firmen an, um Angebote für die Prüfung der Hauskläranlagen einzuholen.

Mittlerweile sind fast 70 Klärgruben überprüft worden, mit erschreckendem Ergebnis: Über 40 sind undicht, sechs Haushalte brauchen sogar eine neue Grube. „Rechnet man das nun auf alle Haushalte hoch, dann müssten theoretisch 21 Gruben erneuert werden“, sagt Griesel. Hinzu kämen rechnerisch 130 sanierungsbedürftige Anlagen. Hochgerechnet und inklusive der Prüfungen (ca. 175 Euro) ergäben sich für die Ellenberger Kosten von knapp 400.000 Euro – alles zu zahlen aus der eigenen Tasche.

Eine, die es besonders hart trifft, ist Anni Bernhard. Die Hausklärgrube der 85-Jährigen ist undicht, eine Sanierung nicht möglich. „Ich glaube, das ist mit 10 000 Euro gar nicht getan.“, sagt die Ellenbergerin. Als sie gehört hat, dass sie eine neue Grube braucht, sei sie erstmal sprachlos gewesen. „Ich glaube, das ganze Dorf ist aufgewühlt wegen dieser Sache.“

Dass die Klärgruben überprüft werden, sei wichtig und auch nachvollziehbar, sagt Griesel. Unverständlich sei für die Ellenberger aber, dass sie durch ihr Abwassersystem benachteiligt werden. „Wir zahlen ja auch über einen Euro mehr Abwassergebühr als die anderen Orte“, sagt Ortsvorsteher Axel Kroll. „Würde ich in Guxhagen wohnen, wären es pro Jahr 130 Euro weniger.“

„Ich frage mich, ob es nicht eine andere Lösung für unser Abwasser gibt“, sagt Griesel. Im Melsunger Stadtteil Günsterode zum Beispiel fließe das Abwasser auch in eine Teichkläranlage. Im Gegensatz zu Ellenberg gebe es aber statt der einzelnen Gruben eine der Teichkläranlage vorgeschaltete Kleinkläranlage. „Vielleicht wäre das eine Alternative.

Das sagt der Bürgermeister

Guxhagens Bürgermeister Edgar Slawik sagt, dass eine vorgeschaltete Kleinkläranlage wie in Günsterode in Ellenberg nicht ohne weiteres zu bauen sei. Zum einen sei es wegen der Bahnlinie ein räumliches Problem, zum anderen wäre der Aufwand enorm. „Selbst, wenn es vom Platz her kein Problem wäre, wäre der finanzielle Aufwand im Verhältnis zur Einwohnerzahl nicht gerechtfertigt.“ Dass auf die Ellenberger erhebliche Kosten wegen der Prüfung der Hausklärgruben zukommen, sei unfair, „aber nicht zu ändern“. „Das ist die Konsequenz des Systems. Ich wüsste nicht, wie man den Leuten entgegenkommen könnte.“ Denn finanzielle Unterstützung sei nur über Steuerabgaben möglich und dann seien alle Guxhagener betroffen. Dass die Ellenberger mehr fürs Abwasser bezahlen, sei nicht zu ändern. Denn das kommunale Abgabengesetz lasse einen einheitlichen Wasserpreis nicht zu, weil das System in Ellenberg ein völlig anderes sei als in Guxhagen. Bei einer Vereinheitlichung der Gebühren wegen des Systems in Ellenberg könnten sich alle anderen Einwohner beschweren, weil sie sich benachteiligt sehen. 

Hintergrund

Jeder, der in Ellenberg wohnt, hat auf seinem Grundstück eine Grube. Das sich dort ansammelnde Schmutzwasser pumpt ein Saugwagen einmal im Jahr ab und fährt es nach Grifte zur Verbandskläranlage. Das Abpumpen ist in der Abwassergebühr der Ellenberger enthalten. Dünnflüssige Abwässer fließen aus den Haushalten direkt zur Ellenberger Teichkläranlage. Sie arbeitet mit Schilf und wurde vor Jahrzehnten zusammen mit der Universität Kassel konzipiert. Laut Kreis läuft die Anlage noch mindestens 15 Jahre. Ellenberg ans Guxhagener Kanalnetz anzuschließen und das Abwasser nach Grifte zu pumpen, würde laut der Guxhagener Gemeindeverwaltung etwa 1,2 Millionen Euro kosten. 

Quelle: HNA

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