Von Honigschleuder bis Oldtimer

Elnröder sammelt Holz- und Metallwerkzeug aus Opas Zeiten

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Elnrode/Strang. Was andere wegwerfen, ist für Karl Zinn aus Elnrode/Strang wertvoll: Der 82-Jährige sammelt unter anderem altes Werkzeug aus Holz und Metall. 

Bei Bügeleisen wird Karl Zinn schwach. Auch Butterfässer und Kinderwagen haben es ihm angetan. Der 82-Jährige sammelt für sein Leben gern, und das seit Jahrzehnten.

Dabei lässt er sich auch nicht beirren. Selbst wenn ihn jemand fragt: „Was widde dann mit dem ahlen Schess?“ bringt ihn das nicht aus der Spur. „Ich bewundere immer wieder, wie die Sachen früher hergestellt wurden“, sagt der Elnröder, der seine kleine Hofreite liebevoll bestückt hat.

„Arbeite, strebe, aber lebe“, steht da in großen Lettern auf einem Holzbrett. Dieser Spruch könnte das Lebensmotto von Karl Zinn sein, den viele unter dem Namen „Südwind“ kennen: Das Codewort von damals, als er in seiner Freizeit noch viel gefunkt hat.

Zinn erfreut sich an den kleinen Dingen des Lebens. Er hebt auf, was andere zum Sperrmüll geben, wie etwa die alte Honigschleuder aus Eichenholz. In Garagen, Ställen, Scheunen: Überall hat Zinn Altertümer stehen, hängen, liegen – das Auge schafft es kaum, alles zu erfassen.

Der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt: Ein gusseisernes Waffeleisen, ein Einkochglas-Öffner aus Holz, ein Flachsrechen von 1893, Überseekoffer, wie sie zur Ausreise nach Amerika genutzt wurden und eine Waschmaschine aus Holz – es gibt alles und noch viel mehr.

Zinn wird so zum Hüter von Alltagsdingen, an denen Antiquitätenhändler und Volkskundler ihre Freude hätten. Vieles von dem, was Zinn angehäuft hat, ist ein Spiegelbild der Arbeits- und Lebensweise von einst. Wie die Stellmacherwerkzeuge, wie sie sein Vater August benutzt hat. Darüber hängen Dutzende von Eisenzangen, wie sie früher in jeder Dorfschmiede hergestellt wurden – auch in Elnrode. Auch einen alten ledernen Feuerlöscheimer hat er aufbewahrt, „Elnrode 1834“ ist darauf zu lesen.

„Dies ist das erste elektrische Bügeleisen, das es gab“, sagt Zinn und zeigt stolz das moderne Haushaltsgerät hoch, das einst die schweren Eisenteile ersetzte. Bügeleisen in 53 Varianten hat Zinn gesammelt, viele von einem Händler aus Ungarn, der jahrelang die Flohmärkte in Borken und Ziegenhain besuchte. Vor allem in den 80er- und 90er Jahren war das, „jetzt ist nicht mehr viel zu kriegen“, so Zinns Erfahrung.

Sein Lieblingsstück ist gleichzeitig auch sein größtes. Der 15er Deutz Baujahr 1954, der in der alten Scheune steht und selbst ein Denkmal ist. Den Oldtimer fährt der ehemalige Nebenerwerbslandwirt heute noch gern aus.

Karl Zinn sammelt nicht nur, er pflegt die Sachen auch, er hat ja Zeit. Erst kürzlich hat er den riesigen Siloschneider aus Eisen von Rost befreit.

Preußen Elektra

32 Jahre lang arbeitete er bei der Preußen Elektra in Borken. Ein versteinertes Stück Holz ist ein Relikt aus dieser Zeit. Wenn er heute im Sommer auf dem „Karlsplatz“ vor seinem Haus neben dem Tempo-80 und dem „Karlsplatz“-Schild sitzen kann, ist er zufrieden. Ein Geschenk zum 80. Geburtstag.

Auch Zinns Frau Anni hat die Leidenschaft für alte Dinge mittlerweile gepackt – sie sammelt Bibeln.

Quelle: HNA

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