Modell soll auf weitere Grundschulen ausgeweitet werden

Eltern im Unterricht dabei: Hessen will Familienklassen ausweiten

Im Lahn-Dill-Kreis hat sich für Grundschulen nach Aussagen des Kultusministeriums ein Modell bewährt, welches nun auf andere Kreise ausgeweitet werden soll – die Familienklassen.

Was ist eine Familienklasse?

Eine Familienklasse wird klassenübergreifend in einer Grundschule gebildet und besteht aus etwa acht Kindern. Hinzu kommt eine erziehungsberechtigte Person pro Schüler. Geleitet wird der Unterricht von einem Tandem. Dies besteht zum einen aus einer Lehr- oder einer sozialpädagogischen Fachkraft, bezahlt vom Land Hessen. Zum anderen aus einem Sozialpädagogen, der eine Weiterbildung zum Multifamilientrainer absolviert hat. Den bezahlt der Jugendhilfeträger.

Wer entscheidet, welcher Schüler in der Familienklasse unterrichtet wird?

Vorschläge, wer in der Familienklasse unterrichtet werden soll, machen die Lehrkräfte. Grundsätzlich richtet sich das Angebot an Schüler, die Schwierigkeiten im Schulalltag haben. Die Teilnahme ist grundsätzlich freiwillig und erfolgt nur bei Zustimmung der Erziehungsberechtigten. Diese müssen an dem Wochentag ja selbst Zeit haben, am Unterricht in der Familienklasse teilzunehmen.

Wann findet der Unterricht in der Familienklasse statt?

Einmal pro Woche kommt die Familienklasse zusammen. Der Unterricht an diesem Tag umfasst fünf Unterrichtsstunden. Insgesamt besteht eine solche Familienklasse für drei bis sechs Monate. Die anderen vier Unterrichtstage verbringen die Schüler in ihrer Regelklasse.

Welche Inhalte werden vermittelt?

Es werden auch in der Familienklasse reguläre Unterrichtsinhalte vermittelt. Das ist schon deshalb notwendig, weil parallel Schüler derselben Jahrgangsstufe auch regulären Unterricht haben. Dazu gibt es aber auch Unterrichtseinheiten, die ganz bestimmte erzieherische Ziele verfolgen. In Familienklassen sollen Kindern neue Wege der Mitarbeit aufgezeigt werden, die es ihnen erleichtern, ihre Lernziele zu erreichen.

Wozu werden Vater oder Mutter dazu benötigt?

Eltern sollen selbst im Unterricht erleben, dass ihr Kind verhaltensauffällig ist und Lernschwächen hat. Die Praxis habe gezeigt, dass Gespräche an einem Elternabend nicht zielführend sind. Stattdessen soll nun im Unterricht gemeinsam eine Strategie entwickelt werden, wie dem Kind geholfen werden kann.

Wer hat das Modell entwickelt?

Das Modell wurde vom englischen Kinder- und Familienpsychologen Eia Asen entwickelt und basiert auf seiner Multifamilientherapie. Erstmals umgesetzt in Hessen wurde das Modell der Familienklassen nun vom Lahn-Dill-Kreis in Kooperation mit dem Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Wetzlar sowie mehreren Grundschulen.

Für welche Schulformen wurde das Modell entwickelt?

Nur für Grundschulen. Das hessische Kultusministerium plant auch keine Ausweitung auf andere Schulformen.

Wie viele Schulen arbeiten bereits in Hessen mit Familienklassen?

Aktuell bieten nach Auskunft des Kultusministeriums neun Grundschulen im Lahn-Dill-Kreis sowie eine im Wetteraukreis Familienklassen an. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) wünscht sich eine Ausweitung auf weitere Kommunen zum Schuljahr 2019/20. Das Land fördert nach einem Bericht des Hessischen Rundfunks jede neue Familienklasse mit 10 000 Euro. Nach Angaben des Kultusministeriums hat die Stadt Kassel bereits Interesse an der Modell-Einführung gezeigt.

Welche Voraussetzung muss eine Schule für eine Familienklasse erfüllen?

Familienklassen sollen als kofinanziertes Kooperationsprojekt zwischen dem Land Hessen und Jugendhilfeträgern angeboten werden. Grundschulen brauchen somit vor Ort einen Jugendhilfeträger als Partner.

Rubriklistenbild: © Felix Kästle/dpa

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