Initiative Kinder von Tschernobyl: 30 Gäste aus Weißrussland besuchen noch bis Samstag die Schwalm

Eltern lernen Gastgeber kennen

Studienfahrt: 30 Gäste, darunter viele Lehrer und Eltern aus Rudnja, sind für eine Woche bei Gastfamilien in der Schwalm zu Gast. Unser Foto entstand am Museum in Trutzhain. Foto: Rose

Trutzhain. Swetlana Suponenko ist glücklich, endlich die Gegend sehen zu können, von der ihr das eigene Kind so viel erzählt hat: Ihre Tochter hatte auf Einladung der Elterninitiative Kinder von Tschernobyl im Sommer die Schwalm besucht. „Ich teile jetzt ihre Begeisterung, denn ich werde überall so herzlich und freundlich empfangen“, sagt die Mutter. Swetlana Suponenko ist Teil einer 30-köpfigen Gruppe aus Weißrussland, die noch bis Samstag eine Studienfahrt unternimmt.

Organisiert ist diese dritte Reise für Lehrer und Eltern ebenfalls von der Initiative um Georg Ebener aus Treysa. Alle Gäste sind in Familien untergebracht.

Wiedersehen in Gastfamilien

Marija Sacharitsch lernte die Schwalm vor elf Jahren während des Erholungsaufenthaltes kennen – und lieben. „Es ist so, als wäre ich nie weg gewesen“, beschreibt die junge Frau das Wiedersehen mit ihrer früheren Gastfamilie. „Sie sind für mich eine zweite Familie geworden“, erklärt Marija Sacharitsch. Was in Deutschland passiert, das verfolgen seit 2005 auch Wiktor und Swetlana Tarasenko. In zwei aufeinander folgenden Jahren reiste ihr kleiner Junge mit in die Schwalm.

„Er wurde in Deutschland am Auge operiert und fuhr ein Jahr später nochmals mit, weil man das Ergebnis kontrollieren wollten“, erklärten sein Eltern. Sie seien sehr dankbar und froh, jetzt diese lieben Menschen, die ihn aufnahmen, auch kennen lernen zu können. „Wir interessieren uns seitdem auch für die deutsche Geschichte und informieren uns darüber im Internet.“

Am Dienstag besuchte die Gruppe unter anderem die Gedenkstätte in Trutzhain. Hans Gerstmann informierte die Gäste bei einem Rundgang durch den Ort und beim anschließenden Besuch auf dem Waldfriedhof über das frühere Kriegsgefangenenlager. Michail Lukesch zeigte sich bewegt von der akribischen Aufarbeitung der Geschichte: „Mich berührt das sehr, wenn ich sehe, dass die Gräber auch ordentlich gepflegt werden und sich die Deutschen darum kümmern.“

Finanziert über Spenden

Noch bis Samstag sind die Gäste aus Rudnja – das Dorf ist 70 Kilometer von der Sperrzone entfernt – in der Region unterwegs: Bei Stadtführungen durch Treysa und Ziegenhain, einem Ausflug nach Kassel, einer Brauereibesichtigung und in den Familien lernen sie Land und Leute kennen.

• Seit 1992 organisiert die Initiative die Erholungsaufenthalte für Kinder in der Schwalm, finanziert ausschließlich aus Spenden.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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