Schüler der Odenbergschule nahmen an einem Baby-Simulationskurs teil

Mal Eltern sein für drei Tage

Mit ihren Babypuppen: Christopher Bartel (von links), Benedict Kurth,Hendrik Münchenberg, Yasemin Schmitt, Tamara Ruhlandt, Lilli Fromm (Kursleiterin), Desiree Saß, Nancy Schmidt (Kursleiterin). Foto:  Mangold

Gudensberg. „Ich mag sie gar nicht mehr hergeben“, meint Yasemin Schmitt und wiegt ihre Babypuppe mit Namen Samantha-Rose im Arm. Am Ende des Projektes „Baby -Was nun?“ an der Odenbergschule in Gudensberg hieß es Abschied nehmen von den täuschend echten Kunststoff-Babys. Acht Schüler zwischen 14 und 17 Jahren hatten sich angemeldet für den dreitägigen Kurs der Schwangerschaftsberatungsstelle Arbeitskreis Gemeindenahe Gesundheitsversorgung (AKGG) Kassel.

„Es war anstrengend, besonders nachts“, sind sich alle einig. Tag und Nacht waren die Schüler für ihre Babys zuständig, 48 Stunden lang. Wie echte Babys haben die Puppen Hunger, müssen gefüttert, gewickelt und lieb gehalten werden, sonst weinen und schreien sie.

„Das war eine kleine Vorbereitung fürs Leben.“

Christopher Bartel. Schüler

Ein Computerchip in der Puppe steuert und registriert alles, auch ob das Baby richtig gehalten, zu lange auf den Bauch gelegt oder geschüttelt wurde. Die Schüler tragen ein Chip-Armband am Handgelenk. Nur im Kontakt mit dem Armband kann das Baby versorgt werden. Damit seien die Jugendlichen gezwungen, sich selbst um das Kind zu kümmern und es nicht jemand anderm zu überlassen, erklärte Sozialpädagogin Lilli Fromm.

Zusammen mit Kollegin Nancy Schmitt sprach sie drei Schulvormittage lang mit den Jugendlichen über Verhütung, Schwangerschaft, Liebe, Partnerschaft und Babys. Es gehe um Lebensplanung, erklärte Schulsozialpädagogin Helena Kraft.

Die jungen Menschen sollten sehen, wie es ist, wenn man sich Tag und Nacht um jemanden kümmern muss. Zu erkennen, dass Babys nicht nur süß sind, sondern auch Arbeit bedeuten, trage auch zur Verhütung bei.

Bei den Schülern kam der Kurs gut an. Interessant wären die Reaktionen auf ihre frühe Elternschaft gewesen. Unangenehme Kommentare wie: „Ach, guck mal, so jung und schon ein Baby“, hätten die Mädchen oft zu hören bekommen, die jungen Väter hingegen fühlten sich überall freundlich angenommen. Empört sind alle über einen Busfahrer: „Der wollte mich aus dem Bus werfen, weil mein Baby schrie“, berichtete Tamara Ruhlandt.

Es sei gut gewesen, diese Erfahrungen zu machen, sind sie sich einig „Das war eine kleine Vorbereitung fürs Leben“, meinte Christopher Bartel. Und Yasemin ist sich sicher: „Ich würde mir so früh kein Baby anschaffen“.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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