Eiserne Hochzeit: Trauung mit Hindernissen

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Ein verliebtes Ehepaar: Emmi und Ernst Heerdt feiern Eiserne Hochzeit. Ihr Rezept für eine glückliche Ehe ist Vertrauen und vor allem Treue.

Züschen. Emmi (82) und Ernst Heerdt (85) aus Züschen sind fit, vital und lebenslustig. Man kann kaum glauben, dass die Eheleute schon 65 Jahre miteinander verheiratet sind.

Emmi wurde in Wiringen in Niedersachsen als viertes von neun Kindern geboren. Ihr Ehemann Ernst ist ein richtiges Züschener Urgestein.

In jungen Jahren zur Wehrmacht eingezogen, wurde er mit 18 schwer verwundet und landete im Lazarett. „Es war eine schlimme Zeit und wir haben Brennnesseln und Gras gegessen. Ich wog nur noch 50 Kilogramm, erinnert er sich. Seine Emmi wohnte nur einen halben Kilometer vom Feldlazarett entfernt. Mit einer Freundin musste sie Kartoffelkäfer auf dem Feld lesen, das direkt an das Lazarett grenzte. Dort knüpften die beiden die ersten zarten Bande.

„Entweder sie trauen uns, oder wir verzichten auf die Kirche.“

Mit einer Erdbeertorte und Kirschen aus dem Garten verwöhnte sie ihren Ernst. Heute, nach 65 Jahren, sagt sie mit funkelnden Augen: „Er gefiel mir sofort und ist bis heute meine einzige und große Liebe.“

Als Ernst nach Züschen entlassen wurde, fand reger Briefverkehr statt. Und bald, nach Emmis 18. Geburtstag, wollte man heiraten. Das erwies sich aber als nicht ganz einfach: Der Pfarrer des Heimatortes weigerte sich, das verliebte Paar an einem Samstag zu trauen. Man versuchte es also beim Pfarrer, der Emmi konfirmiert hatte, der war aber zwischenzeitlich versetzt worden. Also ging es zurück nach Züschen. „Entweder sie trauen uns, oder wir verzichten auf die Kirche“, forderte Ernst den Pfarrer auf. Es klappte.

„Es wurde im Wohnzimmer meiner Eltern geheiratet und heimlich hatten wir ein kleines Schwein geschlachtet. Den Pfarrer hatten wir zum Kaffee eingeladen, aber dem hat es so gut geschmeckt, dass er bis weit in den Abend geblieben ist“, erinnert sich Emmi. Das Paar zog nach Züschen und wohnte bei den Eltern des Ehemannes. Die Familie wurde größer, mittlerweile gab es zwei Jungen und zwei Mädchen.

Rot-weißes Gogo-Coupé

Emmi und Ernst Heerdt entschlossen sich, selbst zu bauen. „Wir haben sehr viel selbst gemacht, meine Frau ist handwerklich sehr geschickt. Bis heute hat sie alle Zimmer im Haus selbst gestrichen oder tapeziert“, sagt der Ehemann. Sie sei aber eine genauso gute Köchin und könne hervorragend backen.

„Wir wollten unser Haus so schnell wie möglich abbezahlen, so habe ich neben meiner Arbeit bei VW in Baunatal, mit meiner Frau fast zwei Jahrzehnte noch Fahrräder bespeicht und etwas hinzuverdient“, sagt Ernst Heerdt stolz. Damals gab es noch Fahrten mit seiner Ehefrau und Tochter Inge nach Hannover, zu den Verwandten in die Ferien, und mit zwei Rex-Mofas über fünf Stunden durch Wind und Regen. 1957 bekamen das Paar sein erstes Auto, ein rot-weißes Goggo-Coupé.

Die „Eisernen Hochzeiter“ sind leidenschaftliche Selbstversorger. Alles was man im Garten anbauen kann, wächst auch bei Ernst und Emmi Heerdt: Tomaten, Paprika Erbsen, Bohnen, Spargel und Kartoffeln. Gefeiert wird im Familienkreis mit vier Kindern, acht Enkeln und zwei Urenkeln feiern mit.

Quelle: HNA

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