Mit Emotionen gepunktet

Weihnachtsgeschäft durchwachsen – Einzelhandel hat es schwer

Mit frischen Ideen gegen die Konkurrenz aus dem Internet: Buchhändlerin Elke Müldner (rechts) mit Kundin Ulrike Surmont aus Wolfhagen. Foto: Ricken

Wolfhagen. Als durchwachsen hat Egbert Bachmann das Weihnachtsgeschäft für die Wolfhager Einzelhändler bezeichnet. Gewinner seien jene Händler, bei denen die Kunden emotional gekauft hätten, sagt der Vorsitzende der Servicegemeinschaft.

Dort seien die Umsätze leicht gestiegen. Geschäfte, für die das Internet eine starke Konkurrenz sei, hätten dagegen zu kämpfen gehabt. Kunden, die genau wussten, was sie schenken wollten, hätten ihre Präsente verstärkt im Internet gekauft. Gerade Jüngere hätten bevorzugt per Mausklick geschenkt. Mit einer Branchenanalyse tut sich Bachmann schwer. Für ihn mache sich das Kaufverhalten eher fest an den Kriterien emotional und rational. So könne der Besuch eines Baumarktes für einen Handwerker eine sehr emotionale Geschichte sein. Seine Frau hingegen verbindet den Gang entlang der Regalreihen mit Langeweile. Beim Kauf von Wohnaccessoires kehre sich das Bild um - dann seien es oft die Frauen, die sich vom Angebot inspirieren ließen und bei der Kaufentscheidung ihr Gefühl zu Hilfe nähmen.

Kleines Einzugsgebiet

Einzelhändler in kleinen Städten wie Wolfhagen würden es in den kommenden Jahren generell schwerer haben. So gebe es für die Geschäfte in der ehemaligen Kreisstadt ein Einzugsgebiet von vielleicht 15 000 Familien. Händler in Kassel dagegen könnten sich auf einen potenziellen Kundenkreis von etwa 200 000 Familien stützen. Für sie sei es unter betriebswirtschaftlichen Aspekten ein geringeres Risiko, eine große Sortimentstiefe vorzuhalten.

Wer sich in kleinen Städten mit seinem Geschäft behaupten wolle, müsse beim Preis-Leistungsverhältnis punkten, sagt der Vorsitzende der Servicegemeinschaft, der zudem den Altkreis Wolfhagen beim Einzelhandelsverband vertritt. Öffnungszeiten und Marketing müssten stimmen, die Waren müssten ansprechend präsentiert sein – eben so, dass sie den Kunden emotional erreichen.

Schnelle fressen Langsame

„Früher hieß es: Die Großen fressen die Kleinen. Heute heißt es: Die Schnellen fressen die Langsamen“, bringt es Egbert Bachmann auf den Punkt. Dem Geschäftssterben zum Trotz hätten dies aber auch einige Läden in Wolfhagen für sich umgesetzt. Als positive Beispiele nennt er die drei Schuhgeschäfte und einige Botiquen.

Mit Spannung verfolgt Bachmann die Entwicklung des Einzelhandels in den kommenden Jahren. Ein großes Thema seien Geschäftsübergaben. Vielfach sei es schwierig, einen geeigneten Nachfolger zu finden. Wer sein Unternehmen in andere Hände übergeben möchte, müsse dafür reichlich Zeit einplanen.

Quelle: HNA

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