Tierfotograf Walter Sittig vermacht sein Archiv Hamburger Galerie

430 Fotografien für eine Ausstellung: In seinem Haus in Bad Emstal hat Walter Sittig alles gesammelt. Viele Fotografien und Ausstellungsplakate seiner Ausstellungen hängen an den Wänden.

Bad Emstal. Im Schnitt war er in seinen aktiven Jahren 163 Tage unterwegs und hat 195 Filme belichtet. In 39 Jahren aktiver Arbeitszeit hat Walter Sittig 198 900 Aufnahmen gemacht. Der 77-Jährige stellt gerne Statistiken auf.

Und diese Leidenschaft kommt ihm jetzt zugute, denn er ist dabei, sein Archiv aufzulösen, und eine Biographie soll erscheinen. „Die Fotos, Ausstellungen und Negative gehen an die Galerie Multiple Box Hamburg von Siegfried Sander“, erzählt Sittig. Sozusagen sein gesamtes Lebenswerk.

Ob er dafür Geld bekommt? Nein, aber wenn Siegfried Sander die Fotos nicht nehmen würde, würden sie weggeschmissen, sagt Sittig. Bei den Fotos handelt es sich um Tierfotografien, mit denen Sittig zwischen 1974 und 1997 gutes Geld verdient hat. Viele kennen wohl nicht Walter Sittig als Person, aber seine Aufnahmen aus Bilderbüchern, bei denen lustige Sprüche die Aufnahmen ergänzten. „Mein erstes Buch ist 1995 erschienen im Fischer Taschenbuch Verlag“, sagt Sittig. Die Auflage belief sich auf 30 000 Stück. Weitere Bücher mit geringeren Auflagen folgten. Doch dies stellt nur einen Teil seiner Schaffenszeit dar.

15 Jahre lang hat Walter Sittig mit der Rolleiflex gearbeitet: Dieses Bild entstand Anfang der 80er. Foto: Privat

Angefangen hat Sittig mit der Fotografie 1966 – der gebürtige Hann. Münder hatte Sozialarbeiter gelernt und hatte eigentlich vor, Fotokurse für Jugendliche zu geben. Also machte er eine Ausbildung in Berlin an der Lette-Schule. Nach zwei Jahren machte er die Gesellenprüfung und ging zurück nach Hann. Münden.

Es folgten zehn Jahre, in denen er klein anfing, sein erster Job war, Fotos für den Jugendfotowettbewerb 1966 in Frankfurt zu sortieren und zu registrieren. Ab 1978 begann es dann gut für Sittig zu laufen, er verkaufte seine Aufnahmen an den Stern, die Illustrierte Quick, die Frankfurter Rundschau und die Welt am Sonntag. Aber er lieferte auch 1150 seiner Tierfotos an die Westfälische Rundschau in Dortmund. Die oft humoristischen Aufnahmen von Nilpferden, Giraffen oder Schweinen machte er in Zoos. Dort legte er sich für den besten Schnappschuss lange auf die Lauer. Insgesamt war Sittig immer unterwegs: Er besuchte Zoos in Deutschland, England, Österreich, aber auch Dänemark. Spektakuläre Bilder gelangen ihm auch in Afrika und Sri Lanka in freier Wildbahn, dort fotografierte er nicht nur Tiere.

Stücke aus Walter Sittigs Archiv: Seine Kameras und Fotografien. In Ordnern hat er alle Zeitungsberichte über ihn und seine Ausstellungen gesammelt.

Noch heute ist der 77-Jährige eine fröhliche Quasselstrippe. Nach einem Unfall wohnt er seit 1992 in Bad Emstal. Er besucht viele Kunstausstellungen und fährt so oft es geht Fahrrad. „Nie dieselbe Strecke, das wäre mir zu langweilig“, sagt er.

Sittig ist der Schwarz-Weiß-Fotografie, treu geblieben. „Ich behalte mir von jedem Bild einen Abzug, denn ich habe noch weitere Ideen, wie man die Bilder noch künstlerisch verwenden kann.“ Ein Abenteurer wird Sittig also bleiben.

Von Nicole Flöper

Quelle: HNA

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