Schüler der Christine-Brückner-Schule unternahmen einen Ausflug zum Eco Pfad

Wanderung durch die Zeit

Geschichte lernen: Oberst a.D. Jürgen Damm zeigt Schülern ein Propaganda-Bild der Nazis über „unwertes Leben“. Dort steht: „Hier trägst du mit. Ein Erbkranker kostet bis zur Erreichung des 60. Lebensjahres im Durchschnitt 50 000 Reichsmark.“ Foto: von Polier

Merxhausen. Eine historische Wanderung haben neun Schüler der Christine-Brückner-Schule Bad Emstal in ihrer letzten Schulwoche vor den Ferien unternommen. Mit Schulleiter Wolfgang Engelmeyer und Oberst a.D. Jürgen Damm gingen sie über den ECO-Pfad Friedenspädagogik zur Kriegsgräberstätte, den UNRRA/IRO-Friedhof und der Vitos Klinik Merxhausen. Nach sechs Kilometern Wanderung gab es eine Andacht, dann wurde am Klostermuseum gegrillt.

„Es gibt später 18 Brat- und zwei Rinderwürste“, erklärte Schulleiter Engelmeyer lächelnd. „Es soll aber nicht nur fröhliches Grillen, sondern auch ernsthaft sein“, ergänzte Damm.

Und so erzählte er den jungen Menschen, die gerade ihren Hauptschulabschluss machen, von den Nationalsozialisten und ihrem staatlichen Mord an „unwertem Leben“. Von schwer und schwerstbehinderten Menschen, die systematisch getötet wurden, weil sie nicht in das Bild der Nazis passten. Wie Luise Nauhaus, an die ein Schild an der Vitos-Klinik erinnert. Psychisch krank war sie seit 1922 in der damaligen Landesheilanstalt Merxhausen untergebracht und wurde später ins mittelhessische Hadamar verlegt, wo sie ermordet wurde.

Als die Gruppe die Kirche des ehemaligen Klosters Merxhausen betrat, sagte Schulleiter Engelmeyer zu den Schülern: „Männer, da drin bitte euer feinstes Verhalten“. Das zeigten sie. Es herrschte Schweigen, als Jürgen Damm die Versöhnungslitanei der Stadt Coventry las. Einer englischen Stadt, die ein deutscher Bomber 1940 zerstört hatte. „Vater, vergib. Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk“, las er. Alle Schüler lauschten dem Gebet, auch ein Jeside und ein Muslim saßen auf den grünen Bänken inmitten ihrer Schulfreunde, aber religiöse Unterschiede spielten keine Rolle.

Gemeinsam für den Frieden

Es ging um das Erinnern an Krieg, Zerstörung, Tod. Darum, für die Zukunft Frieden zu üben. „Die Welt verbessert sich nur, wenn wir gemeinsam daran arbeiten“, sagte Damm. Schülerin Laura Klapp fand den Tag schön: „Wir haben viel Geschichte gelernt, und mir hat auch der Weg durch den Wald sehr gefallen“.

Das ging offenbar allen so. Denn am Ende der Andacht stand ein Schüler auf und sagte: „Wir möchten Ihnen dafür danken, dass Sie uns das alles beigebracht haben.“

Von Jürgen von Polier

Quelle: HNA

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