Bad Emstaler Verein weiht Apartmenthaus für psychisch Erkrankte ein

Er fühlt sich wohl in seinem neuen Zuhause: Karl-Heinz Tripp wohnt seit einem Jahr im neuen Apartmenthaus des Bad Emstaler Vereins in Wolfhagen. In seiner kleinen Wohnung sammelt er selbst aufgenommene Oldie-Kassetten. Fotos: Skrzyszowski

Wolfhagen. Für viele von ihnen ist es die erste eigene Wohnung. Im neugestalteten Apartmenthaus des Bad Emstaler Vereins können psychisch Erkrankte ein eigenständiges Leben führen. Nach zwei Jahren wurde das umgebaute Gebäude in der Friedrichstraße nun eingeweiht.

680 000 Euro hat der Bad Emstaler Verein in das Haus investiert. Und trotzdem wurde das finanzielle Budget nicht ganz ausgeschöpft. 250 000 Euro hat die Aktion Mensch gesponsert, 100 000 Euro gab es von der Stiftung Wohnhilfe. Ebenso haben der Hessische Sparkassen- und Giroverband, die Sparkasse Kassel und die WI Bank Hessen sich an den Kosten beteiligt. 120 000 Euro hat der Bad Emstaler Verein selbst bezahlt.

Für Menschen mit einer seelischen Erkrankung ist es immer noch schwierig, adäquaten Wohnraum im ländlichen Raum zu finden. „Mit diesem Projekt entwickelt sich Wolfhagen in die richtige Richtung - zu einer sozialen Stadt“, sagt Bürgermeister Reinhard Schaake. Die Fassade leuchtet in einem warmen Terrakotta-Rot. Zehn Apartments bieten zehn Hilfsbedürftigen ein neues Zuhause. Vor gut einem Jahr sind die ersten Bewohner in das neue Haus umgezogen. Und sie fühlen sich dort wohl. „Ich finde es schön, dass man Raum für sich hat, aber auch Kontakt zu den anderen Mitbewohnern hat“, sagt Karl-Heinz Tripp, der es sich in seinem Apartment im ersten Stock gemütlich gemacht hat.

Und das ist auch die Idee des Konzepts: „Die Bewohner sollen nicht isoliert leben, sie brauchen soziale Kontakte“, erklärt Petra Scholl-Munsel, Geschäftsführerin des Bad Emstaler Vereins. Zusätzlich werden die Bewohner von Mitarbeitern des ambulanten, betreuten Wohnens.

Ebenso müssten die Wohnungen für die Bewohner finanzierbar sein. Um Energiekosten zu sparen, wurde das ehemalige Mehrfamilienhaus Haus komplett eingepackt. „Wir haben die Außenwände isoliert, neue Fenster eingebaut und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung eingebaut“, erklärt der Kasseler Architekt Knut Kallies, der das Projekt mit Baufirmen aus Wolfhagen und Umgebung umgesetzt hat. Im Jahr 2013 soll dann auch das psychosoziale Zentrum in die unmittelbare Nachbarschaft des neuen Wohnhauses ziehen - von der Kurfürstenstraße in die ehemalige Herwig-Blankertz-Schule. Das leerstehende Gebäude an der Liemeckestraße soll ein Ort der Begegnung werden.

„Das Herzstück soll ein Bistro werden, in dem sich Menschen mit und ohne Behinderung treffen“, sagt Petra Scholl-Munsel. In das Projekt will der Bad Emstaler Verein noch einmal 1,6 Millionen Euro investieren. Mit dem Erlös einer Versteigerung von ausgewählten Bildern des verstorbenen Künstlers Markus Deuker im ehemaligen Schulgebäude will der Verein den Umbau für das neue Zentrum voranbringen.

Von Nina Skrzyszowski

Quelle: HNA

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