Weit und breit letzte Anlage wird abgebaut

Ende einer Ära: Gefriergemeinschaft Wollrode hat sich aufgelöst

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Leer geräumtes Kältehaus: Horst Badenheuer baute vor kurzem die Gefrierfächer ab. Die Tür hinten rechts führt zu einem noch funktionstüchtigen Kühlraum.

Wollrode. Die Gefriergenossenschaft Wollrode hat sich aufgelöst. Die Gemeinschaft hatte einen defekten Motor in der Kühlanlage an der Bachstraße nicht mehr austauschen wollen. Mit dem Abbau der Gefrierfächer ging eine Ära in der Guxhagener Ortschaft zu Ende.

Weit und breit waren die Wollröder die letzten, die noch eine gemeinsame Gefrieranlage besaßen, berichtet Ortschronist Georg Margraf. In den 1960er-Jahren war das anders. Damals erkaufte man sich in vielen Dörfern mit einem Kältehaus erstmals Unabhängigkeit von Schlachtefesten und Erntezeiten für Obst und Gemüse.

Die Landwirte hängten ihre geschlachteten Schweine ins Kühlhaus und belegten die Gefrierfächer mit dem weiterverarbeiteten Fleisch, erinnert der stellvertretende Ortsvorsteher Helmar Proll an die Anfänge in Wollrode.

Dort hatte nach der Ortschronik eine 25-köpfige Runde 1959 eine Gefriergemeinschaft gegründet. Sie schloss mit einem Landwirt einen privaten Nutzungsvertrag für ein Grundstück und ließ darauf von einem Guxhagener Bauunternehmen das Kühlhaus errichten.

Die Kältetechnik lieferte die Firma Linde, wie aus alten Typenschildern hervorgeht. Sie leistete mehr als 50 Jahre treu ihren Dienst und kühlte die dreißig 200-Liter-Fächer auf 18 Minusgrade herunter. Stiegen die Temperaturen auf um die minus 12 Grad an, schreckte eine Sirene die Gefriergenossen auf, die sich dann gemeinsam um die Reparatur der Anlage kümmerte.

So war es auch vor kurzem, als Horst Badenheuer in seinem Gefrierfach noch Bratwürstchen und Schnitzel lagerte. Für ein paar Euro im Jahr. Wie viele Genossen hatte auch Badenheuer daheim längst eine Gefriertruhe für den Notfall. Und der war nun gekommen: Um die 5000 Euro sollte die Reparatur des Kühlkreises für die 30 Fächer kosten. Zu viel, entschied die Gemeinschaft und löste sich auf.

Doch damit ist das Ende der Gefrieranlage noch lange nicht gekommen. In den Privatvertrag von 1959 stieg jetzt die örtliche Jagdgenossenschaft ein. Deren Mitglieder waren oftmals auch Gefriergenossen. Jetzt wollen sie einen noch funktionstüchtigen Kühlraum im Gefrierhaus an einen Jagdpächter vermieten. Drei Vorteile hat das laut Helmar Proll, der auch Mitglied der Jagdgenossenschaft ist: Weder die Gefrier- noch die Jagdgenossen müssen das Haus in nächster Zeit abreißen, der Jagdpächter kann Wild abhängen und bei etwa vier Grad Celsius kühlen und auch die Vereine können den Raum weiter nutzen. Denn ob Sängerfest oder Sportwoche: Im Kühlhaus halten sich Getränke wie Essen in großen Mengen immer ein paar Tage frisch.

Quelle: HNA

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