Christian Voß, Chef der zu Zuckerfabriken in Wabern und Warburg, geht in Ruhestand

Ende einer süßen Karriere

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Der Zucker ist sein Leben: Christian Voß ist nicht mehr Leiter der Zuckerfabrik in Wabern. Wie er den Ruhestand gestaltet, weiß er noch nicht genau: "Ich bin noch in der Findungsphase."

Wabern. Christian Voß trinkt gerne schwarzen Tee, und den das hätte man ahnen können mit Zucker. Denn Zucker ist sein Leben. Seit einigen Tagen ist der 63-Jährige nicht mehr Leiter der Zuckerfabriken in Wabern und Warburg.

Schon der Vater von Christian Voß verdiente mit der Zuckerrübe sein Geld, er war Bauer. Auf dem Dachboden stand immer ein Sack Zucker, aus dem die Kinder für die Mutter portionsweise den süßen Rohstoff holten.

"Manchmal", sagt Voß, "habe ich die Rübe verflucht." Besonders dann, wenn er auf Vaters Feldern zum Rüben verziehen eingesetzt war. Dabei ging es darum, einzelne Pflänzchen aus dem Boden zu ziehen, damit für die anderen genug Platz blieb. Und dann nahm die Ackerfurche kein Ende.

Heute entsteht nur noch ein Keimling und Maschinen sorgen für den richtigen Abstand zwischen den Pflanzen: Die Rüben müssen nicht mehr verzogen werden.

Christian Voß lernte die Landwirtschaft von der Pike auf, dann ging er auf die Ingenieursschule und die Technische Universität Berlin. Von seinem ersten Arbeitsplatz, einem Ingenieurbüro in Braunschweig, warb ihn die Frankenzucker ab, aus der 1988 gemeinsam mit der Süddeutschen Zucker die Südzucker AG wurde. Seit 1986 leitete Voß die Fabrik in Warburg, wo er auch wohnt, und seit 1990 das Werk in Wabern. Er war Chef von 110 Leuten rund ums Jahr, in der Kampagne stieg die Zahl auf 200.

Der Werksleiter fühlte sich wohl in einer Firma, die zu 60 Prozent den Landwirten gehört. "Man findet sofort die gleiche Sprache", sagt er. Die Zuckerfabrik und die Rübenbauern, das sei eine Schicksalsgemeinschaft. Ohne die Fabrik können die Bauern nicht, und ohne die Bauern sei die Fabrik nur ein Haufen Steine und Stahl.

Und diese Schicksalsgemeinschaft ist vielen Veränderungen unterworfen. In diesem Jahr ist der Ertrag eines Hektars Acker im Werk Wabern 14,2 Tonnen Zucker. Einige Landwirte schaffen sogar schon 16 Tonnen. Doch das Ziel, so sagt Voß, sind 20 Tonnen.

Die Anbautechnik das Düngen wird längst mit Computerhilfe organisiert und die Genetik heutige Zuckerrüben sind ganz andere als vor zehn Jahren sollen den Weg dahin bereiten.

Außerdem muss die Industrie den Markt im Auge behalten. Voß spricht sich, das ist keine Überraschung, dafür aus, dass die Europäische Union eine Zuckermarktordnung behält. Diese gibt den Produzenten Sicherheit. Ein volatiler, also ständig schwankender, Zuckerpreis, wäre für Voß ein Horrorszenario.

Der Ex-Werksleiter ist noch ehrenamtlich in der Berufsgenossenschaft und im Verband tätig. Außerdem spielt er Tennis und arbeitet gerne in seinem Garten. Dort baut Christian Voß Kartoffeln und Gemüse an, aber kein Zuckerrüben. Die wird er auch nicht brauchen, denn auch Zuckerfabrik-Rentner bekommen kostenlos Zucker: zehn Kilo pro Jahr.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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