Zwei Ameisenhügel wurden von Treysa in ein Biotop bei Wiera umgesiedelt

Ende des großen Krabbelns

Experten sorgten für einen reibungslosen Umzug: Guido Hahn (links) vom BUND Schwalm-Eder Süd und Klaus-Berndt Nickel, Vorsitzender der Deutschen Ameisenschutzwarte Hessen, trugen den Ameisenhaufen ab. Foto:  Mühling

Schwalmstadt. Mit den ersten Sonnenstrahlen und warmen Temperaturen waren sie wieder da – die Mitbewohner des Grundstückes am Leistweg in Treysa. Schon seit Jahren leben die Wohnungseigentümer des Terrassenhauses mit zwei Völkern der Kleinen Roten Waldameise zusammen. Jetzt wurde der Ameisenhügel umgesiedelt.

Das am Hang liegende Grundstück mit zahlreichen Bäumen und Sträuchern war für die Insekten ein idealer Ort, ihre Hügel zu bauen, Nahrung zu finden und sich fleißig fortzupflanzen. Doch für die dort lebenden Menschen wurden sie mehr und mehr zu einer Belästigung. „Wir konnten an warmen Tagen nur trampelnd unsere Einkäufe aus dem Auto laden,“ berichtet Antje Schneemann aus dem ersten Stock.

Tiere in den Wohnungen

„Im Nu krabbelten die Ameisen an den Beinen hoch.“ Auch der Zugang über die Treppe zu den einzelnen Wohnungen sei stets von Ameisen bevölkert gewesen. „Auf der Terrasse kribbelte und krabbelte es, und die eine oder andere verirrte sich auch in die Zimmer,“ erzählt Wohnungseigentümer Dieter Klinger. Die Bewohner des Hauses waren sich einig: So kann es nicht weitergehen.

Bei der gemeinsamen Zugfahrt nach Frankfurt zur Arbeit berichtete Klinger Guido Hahn vom BUND Schwalm-Eder Süd von der Insektenplage. Da die Roten Waldameisen seit über 200 Jahren unter Naturschutz stehen, suchte Hahn Hilfe beim Landesvorsitzenden der Deutschen Ameisenschutzwarte Hessen, Klaus-Berndt Nickel.

Dann war es nun soweit. Die zwei Ameisenvölker wurden umgesiedelt: Dabei trug Nickel mit einer Schaufel die Ameisenhaufen von außen bis zum Kern, wo die Königinnen leben, ab und lud sie in Tonnen, in denen sie ihre Reise ins Biotop antraten. Bis zu 500 Königinnen kann eine solche Ameisenkolonie haben. Erwischt man nicht alle, bilden die zurückgebliebenen schnell einen neuen Staat. Deshalb hob der Ameisenfachmann eine Mulde aus, füllte sie mit Mulch und fügte etwas Zucker als Lockstoff hinzu, so dass sich der Rest des Ameisenvolkes dort sammeln und nach drei bis vier Tagen umgesiedelt werden kann.

Ihre neue Heimat fanden die emsigen Insekten in einem Biotop am Waldrand bei den Biedebacher Teichen nahe Wiera.

„Es lohnt sich immer, Waldameisen umzusiedeln,“ sagt Guido Hahn. „Sie sind für die Waldgesundheit sehr wichtig, erbeuten sie doch Hunderte verschiedener Insekten, darunter viele Pflanzen fressende Arten.“ Zudem fressen sie den zuckerhaltigen Kot von Rinden- und Blattläusen, den Honigtau. Die Ameisen selbst sind wiederum eine wichtige Nahrungsquelle für viele Tiere, wie Spinnen, Raubinsekten, Reptilien und Vögel. Durch Verteilung von Samen auf dem Weg zum Nest verbreiten die Waldameisen mehr als 150 Pflanzenarten. Zudem lockern und durchlüften sie den Boden.

So bleibt zu hoffen, dass sich die Insekten in ihrem neuen Domizil wohl fühlen und dort genauso emsig sind wie im Leistweg. Dieter Klinger und seine Nachbarn sind jedenfalls froh, dass sie unbelästigt ihre Wohnungen wieder betreten können.

Von Isa Mühling

Quelle: HNA

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