Schauspieler Reimund Groß spielte Georg Büchner

Mittler zwischen den Welten: Schauspieler Reimund Groß brachte am Samstag den Gästen des Kunst- und Werkhofes das Gefühl für die Schönheit der Sprache näher. Foto: Rose

Großropperhausen. Der Berliner Schauspieler Reimund Groß schlüpfte am Samstagabend in Großropperhausen eine Stunde lang in die Rolle des bedeutenden Autors Georg Büchner.

60 Minuten lang tauchte Groß in die Zeit des Biedermeier ein. Eine Stunde, die den Gästen noch lange im Gedächtnis bleiben wird. „Das kurze Leben des Georg B.“ war als Uraufführung auf einer improvisierten Bühne im Kunst- und Werkhof in Großropperhausen zu sehen.

Reimund Groß, Bruder des Großropperhäuser Künstlers Ernst Groß, betreibt zusammen mit Lebensgefährtin Annette von Klier die „Literaturbrauerei“: Das ist ein mobiles Sprechtheater, das literarische Texte aus vergangenen Zeiten ins Heute überträgt. Zusammen mit ihren Gästen sind sie Zeitreisende. Die, die sich in der Welt hinter den Worten bewegen.

Und so schlüpfte der Schauspieler scheinbar mühelos in die Rolle Büchners und rezitierte dabei eindrucksvoll aus Briefen und Werken des 1813 in Darmstadt geborenen Schriftstellers. Das kurze Leben - Büchner starb mit 23 an den Folgen einer Typhus - bebilderte Groß mit ausdrucksstarker Ästhetik, beginnend mit dem Tod. Büchner, der aus dem Grabe auferstand, grüßte mit den Worten: „Ich kann schlecht damit anfangen, dass am Ende der Punkt fehlt.“ Seine Liebe zur Literatur entdeckte Büchner früh. „Bereits mit 12 war mit Schreiben eine Erfüllung“, rezitierte Groß. Nach dem Besuch des Gymnasiums immatrikulierte sich Büchner an der medizinischen Fakultät in Straßburg und wurde dort vom Pfarrer Johann Jakob Jaeglé aufgenommen, mit dessen Tochter Wilhelmine - von Büchner nur „meine Minna, mein böses Mädchen“ genannt - er sich heimlich verlobte. 1835 wechselte er zur Universität Gießen.

Im Kampf gegen die reaktionären Zustände im Großherzogtum Hessen gründete Büchner im Frühjahr 1834 im Untergrund Sektionen der „Gesellschaft der Menschenrechte“ und verfasste die sozialrevolutionäre Flugschrift „Der Hessische Landbote“. „Überzeugt von der Macht der Druckerpressen tarnten wir den Transport der Manuskripte als botanische Exkursion“, rezitierte Groß.

Büchner, der steckbrieflich gesucht wurde, floh 1835 nach Straßburg - „ich war ein Automat, die Seele war mir genommen.“ Er habe in allem nur noch die „hohle Mittelmäßigkeit“ gesehen, „eine entsetzliche Gleichheit in der menschlichen Natur“. Im folgenden Jahr promovierte Büchner in Zürich und wurde als Privatdozent beschäftigt. 1835 veröffentlichte er sein erstes Drama - „Dantons Tod“ - es folgten die Erzählung „Lenz“ und das Lustspiel „Leonce und Lena“: „Damit wollte ich nur Geld gewinnen, aber es traf drei Wochen zu spät ein“, erklärte Groß.

Das Drama „Woyzeck“ blieb ein Fragment, „wieder ein Ende, dem der Punkt fehlt“. Im dicht und fein inszenierten biografischen Drama fehlte indes nichts: „Man muß die Menschheit lieben, um in das eigentümliche Wesen jedes einzudringen. Es darf einem keiner zu gering, keiner zu hässlich sein - erst dann kann man sie verstehen.“ (zsr)

Quelle: HNA

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