Sanierungsarbeiten: Naumburger Stadtpfarrkirche soll Weihnachten gerüstfrei sein

Endspurt in luftiger Höhe

In luftiger Höhe: Die Zimmerleute Mike Brause und Thomas Hähnchen bringen an der Ostseite der Kirche die Dachschalung an, auf die die Dachdecker die Schiefertafeln nageln. Fotos:  Norbert Müller

Naumburg. Man hätte längst fertig sein wollen. Bis Ende Oktober, vor dem ersten Frost, sollten die Sanierungsarbeiten am Dach, an Nord- und Ostfassade der Naumburger Stadtpfarrkirche St. Crescentius beendet sein. Statt dessen haben die Zimmerleute noch alle Hände voll zu tun, bereiten die Dachfläche über dem Chorraum bei lausiger Kälte für die Dachdeckerarbeiten vor.

Gut sechs Wochen ist man in Verzug. Querelen wegen des mangelhaften Gerüsts in der Startphase und auch wegen unerwarteter Schäden am Gebälk, die während der Arbeiten entdeckt wurden, warfen den Zeitplan über den Haufen.

Verzögerung

Die Gottesdienstbesucher müssen sich nun schon seit Wochen und Monaten damit abfinden, dass es nur einen einzigen Zugang zur Kirche gibt, dass das Gotteshaus mit einem Bauzaun abgesperrt ist und das Gerüst den Blick auf das Naumburger Wahrzeichen verstellt. Und so spricht Stadtpfarrer Johannes Kowal vielen Naumburgern aus der Seele, wenn er sagt: „Es wird eine große Freude sein, wenn das Gerüst endlich verschwunden ist.“

Er hofft, dass es noch vor Weihnachten abgebaut wird und St. Crescentius sich im neuen Gewand präsentieren kann. Das wird für manchen Naumburger zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, denn die Nord- und Ostwand sind zwischen den Stützpfeilern verputzt, so wie vor langer Zeit. Reste des historischen Putzes wurden gesichert, überarbeitet und in die neue helle Wandverkleidung integriert.

„Es wird eine große Freude sein, wenn das Gerüst endlich verschwunden ist.“

Johannes Kowal Stadtpfarrer

„Ich möchte endlich die schöne Wand sehen“, sagt der Pfarrer, der einräumt, der Idee zum Verputzen, die in Fulda geboren wurde, zunächst skeptisch gegenüber gestanden zu haben. Damit stand er nicht allein. Zu den ersten Reaktionen der Naumburger sagt der Pfarrer: „Einige haben geschimpft.“ Aber das habe sich inzwischen geändert. Der Pfarrer, der auch Künstler ist, schwärmt nun von der „zeitlosen Schönheit der Kirche“.

Finanzielle Belastung

Er weiß aber auch um die finanzielle Belastung, die die Arbeiten verursachen. 365 000 Euro kostet die Sanierung. 100 000 Euro erwartet die Kirchengemeinde von der Denkmalpflege. „185 000 Euro hat mir das Bistum Fulda versporchen. Bleiben 80 000 Euro für die Kirchengemeinde“, sagt Bauherr Kowal. Knapp 20 000 Euro seien in den vergangenen beiden Jahren an Spenden reingekommen. Der Rest musste über einen Kredit finanziert werden.

Runderneuert ist das Gotteshaus damit noch lange nicht. Das Türmchen sei marode, auch Teile der hölzernen Dachkonstruktion auf der Südseite, wo vor gut zwei Jahrzehnten die Schiefereindeckung erneuert worden war. Und manches mehr.

Naumburgs Stadtpfarrer Kowal: „Wenn ich nachts wach bin, schaffe ich nicht zu zählen, was noch alles zu machen ist.“

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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