Mit der Kraft der Sonne

Unabhängig von fossilen Brennstoffen: Mengsberg baut 2000 Solarthermiemodule 

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Hier laufen die Fäden zusammen: Gerd Heinmöller vom Technikteam der Bioenergiegenossenschaft zeigt die zentrale Steuereinheit in der modernen Heizzentrale am Dorfrand von Mengsberg.  

Mengsberg. Die Mengsberger reden nicht nur von der Energiewende, sondern gestalten sie mit. Spätestens ab Dezember möchte ein Großteil vom fossilen Brennstoff Öl unabhängig sein.

„Wir bauen hier deutschlandweit die größte Solarthermieanlage, welche in Genossenschaftshand ist“, sagt Karlheinz Kurz,

Vorstandsmitglied der Bioenergiegenossenschaft Mengsberg und gleichzeitig Ortsvorsteher. Geheizt wird dann in erster Linie mit der Kraft der Sonne. Man spare durch das Projekt allein in Mengsberg immerhin rund 500 000 Liter Heizöl im Jahr, freut sich Kurz.

Am Ortstrand entsteht in den nächsten Wochen ein 3500 Quadratmeter großes Solarthermiefeld mit 2000 Modulen. Bereits seit vergangenen Sommer rollen in dem Neustädter Stadtteil die Bagger. Gefühlt an jeder Ecke arbeiten Spezialisten, überall im Dorfgebiet werden Rohrleitungen verlegt. Die ersten Häuser sind schon an das Nahwärmenetz angeschlossen. „Um dabei Verkehrsbehinderungen so gering wie möglich zu halten, arbeiten sich die Bauarbeiter vom Ortsrand ins Zentrum vor.

Leitungsnetz: In den kommenden Wagen werden die Module für die Solarthermieanlage aufgestellt. Die Anschlüsse sind schon da.

Beachtlich: Das bis in kleine Nebenstraßen verzweigte Leitungsnetz ist rund neun Kilometer lang. Die moderne Heizungszentrale ist so gut wie fertig und teilweise in Betrieb. Dort befinden sich zwei riesige Pufferspeicher für warmes Wasser mit dreihundert Kubikmeter Fassungsvermögen. Rund einhundert Kubikmeter zirkulieren immer im Netz.

Umweltfreundliches Herz ist das Solarthermiefeld. In den Modulen ist eine spezielle Flüssigkeit, welche durch die Sonne erwärmt wird. In einem Wärmetauscher in der Heizungszentrale wird dann das im System befindliche Wasser auf 85 Grad erwärmt. Das Solarthermiefeld bringe eine Grundlast, welche mit einer entsprechenden großen Biogasanlage vergleichbar wäre, erklärt der Ortsvorsteher.

Sollte die Sonne mal nicht scheinen, sorgen ein Hackschnitzelkessel und ein Bioflüssiggaskessel für die notwendige Wärme. Selbst wenn alle drei Systeme gleichzeitig ausfallen würden, hätte man dank der Pufferspeicher 36 Stunden Zeit für Reparatur, sagt Karlheinz Kurz.

Die Idee für das Bioenergiedorf entstand im Zuge des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“. In einer Arbeitsgruppe habe man sich damals darüber Gedanken gemacht, was wirklich zukunftsträchtig sei, erinnert sich Vorstandsmitglied Susanne Wilhelm.

Aktuell hat die Bioenergiegenossenschaft 131 Mitglieder und 147 Anschlüsse. Sechs bis acht Anschlüsse seien noch möglich, wirbt Karlheinz Kurz: „Wenn jemand mitmachen will, dann muss er jetzt mitmachen, weil die Straße offen ist.“

Quelle: HNA

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