Energiewende: Kritik an "Strompreisbremse"

+
Ausbau der Windenergie in Gefahr: Beim aktuellen Energiegipfel im Kanzleramt geht es um die Frage, ob die Vergütung für Strom aus Windenergieanlagen gesenkt wird. Martin Rühl, Geschäftsführer der Stadtwerke Wolfhagen, befürchtet Nachteile für die Region. Unser Foto zeigt Windräder zwischen Istha und Bründersen.

Wolfhagen. „Die so genannte Strompreisbremse hat das Potenzial, unserer Region großen Schaden zuzufügen,“ warnt Martin Rühl, Geschäftsführer der Stadtwerke Wolfhagen und der Stadtwerke Union Nordhessen (SUN).

Er sieht den Ausbau der Windenergie im Binnenland und vor allem in Nordhessen in Gefahr und appelliert an die Politik, den langfristigen Erfolg der Energiewende nicht zu riskieren.

Denn die erneuerbaren Energien schützen nicht nur Umwelt und Klima, sie generieren auch eine immense Wertschöpfung in der Region. Beim aktuellen Energiegipfel im Kanzleramt geht es um die Eindämmung künftiger Strompreissteigerungen und eine Anpassung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG).

Umweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hatten dazu ein Positionspapier präsentiert. Sie schlagen unter anderem vor, die Vergütung für Strom aus Windenergie deutlich zu senken. Geht ein neuer Windpark ans Netz, soll der Betreiber in den ersten fünf Monaten nur den Börsenpreis für seinen Strom bekommen. Danach soll die Förderung von aktuell 9,27 Cent pro Kilowattstunde (kWh) auf 8 Cent sinken. Darüber hinaus wollen die Minister auch rückwirkend die Vergütungen für die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien senken.

„Werden diese Vorschläge umgesetzt“, so Martin Rühl, „würden die allermeisten Windparks im Binnenland wirtschaftlich unrentabel.“ Dr. Thorsten Ebert, Vorstand der Städtischen Werke Kassel und wie Rühl Geschäftsführer der SUN, stimmt zu. „Selbst Projekte, die bereits genehmigt sind, werden wieder infrage gestellt.“ Durch die rückwirkende Änderung der Vergütungssätze sind neben bereits getätigten Investitionen auch zukünftige ungewiss. Dieser Schritt kann das Vertrauen potenzieller Investoren nachhaltig zerstören - und das sind nicht nur Banken, es sind auch immer mehr Menschen in der Region.

In Wolfhagen haben bereits über 500 Bürger Kapital in einer Bürgerenergiegenossenschaft angelegt. In Kassel wurde nun ebenfalls eine Genossenschaft gegründet. „Wer hier sein Geld anlegt und in Wind- oder Solarparks investiert, erwartet zu Recht eine Rendite,“ sind sich Rühl und Ebert einig. Beide wollen Windparks zukünftig immer gemeinsam mit Bürgern realisieren. Ist diese Rendite in Gefahr, sinkt die regionale Wertschöpfung und die Akzeptanz der Energiewende insgesamt, sagen sie.

Eindringlich mahnen die Stadtwerke-Chefs daher, bei der Anpassung des EEG Augenmaß walten zu lassen. Den Strompreis begrenzen wollen auch sie. Aber: „Es gibt Alternativen zur ,Strompreisbremse’.“ Allein eine Korrektur des zweistufigen standortbezogenen Vergütungsmodells eröffne weitreichende Möglichkeiten zur Begrenzung der künftigen Umlageentwicklung und damit zur Sicherung des Strompreises. (nh/uli)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare