150 Jahre alter Himmelsbote wurde restauriert und ist bald in katholischer Kirche zu sehen

Der Engel kam im Käfer

Die Güte im Blick: Der neugotische Holzengel, der in der katholischen Kirche St. Maria in Wolfhagen über der Krippe schwebt, wurde jetzt gereinigt und restauriert. Gemeindereferent Jürgen Günst freut sich über die Heimkehr des Götterboten. Foto: Thon

Wolfhagen. Es ist Anmut, die unter weißen Styroporschnipseln aufblitzt. Das milde Lächeln des Engels hat Wirkung. Selbst in der Kiste, in der die Holzfigur nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten behutsam eingepackt noch schlummert, entwickelt der Götterbote Strahlkraft. Demnächst, von Heiligabend bis Mariä Lichtmess (2. Februar) wird er in der katholischen Kirche St. Maria in Wolfhagen wieder seinen großen Auftritt über der Krippe haben.

Engel sind die Vermittler zwischen Gott und den Menschen. Es ist ein Engel, der in der Weihnachtsgeschichte zu den sich fürchtenden Hirten tritt und die Geburt des Heilands verkündet. „Engel bringen das Licht“, sagt Gemeindereferent Jürgen Günst. In unserer Zeit gewinnen sie zunehmend wieder an Bedeutung, weniger als Wesen mit Flügeln, sagt Günst. Vielmehr sind es Menschen, die in einem wichtigen Moment, in einer Notsituation, das Blatt zum Guten gewendet haben.

Für den katholischen Pfarrer Edgar Hohmann aus Volkmarsen sind Engel den Menschen viel näher als Gott. Einer der am häufigsten gewählten Taufsprüche wendet sich Engeln zu. So heißt es im Psalm 91, Vers 11: „Denn er befiehlt seinen Engeln, dich zu behüten auf all deinen Wegen.“ Und dann gibt es noch die andere Seite – denn Engel sind irgendwie auch schlecht zu fassen, sind sich Hohmann und Günst einig.

Schwebt über der Krippe

Der Engel in St. Maria kam vor etwa 60 Jahren nach Wolfhagen. Der erste Pfarrer der in den 1950er Jahren neu gegründeten katholischen Gemeinde, Franz Hornischer, chauffierte die Figur zusammen mit der Krippe in seinem alten Käfer nach Wolfhagen, zunächst zur Notkirche am Koppenberg. Wie Gemeindereferent Jürgen Günst sagt, wurde die Krippe seitdem Jahr für Jahr an Weihnachten aufgestellt. Und über ihr schwebte der Engel.

Diese Aufgabe wird der Götterbote von Heiligabend an wieder übernehmen – dann aber in einem schöneren Gewand. Denn die 80 Zentimeter hohe, neugotische Figur wurde in der Werkstatt von Restaurator Robert Ochsenfarth in Paderborn wieder hergerichtet. Unter dem Schmutz der Jahrzehnte kam ein sehr lieblicher Holzengel zum Vorschein. Abgebrochene Finger und Schuhspitzen wurden rekonstruiert und ersetzt, das Gewand in einem gedeckten Weiß gestrichen und die Sterne auf ihm mit Pudergold herausgearbeitet.

Erst vor wenigen Wochen ist die Kiste mit dem geschlechtslosen Himmelsboten, dem man seine 150 Jahre nun nicht mehr ansieht, im Pfarramt eingetroffen. Jürgen Günst war vom Anblick überwältigt. „Er ist so schön. Den könnte man auch woanders hinhängen“, sagt der Katholik, der es wohl etwas schade findet, dass der Engel nur für zwei Monate in der Gemeinde zu sehen ist.

Quelle: HNA

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