Justine Schwedes kümmert sich seit 40 Jahren um die Arbeiten rund um die Kirche

Ein Engel für die Küsterin

Küsterin aus Leidenschaft: Justine Schwedes läutet seit 40 Jahren die Glocken in der Breunaer Kirche. Pfarrer Thomas Wischnath bedankte sich mit Blumen und einem Engel aus Ton. Foto: Gallacher

Breuna. Bestimmt hat sich Justine Schwedes ein wenig gewundert über den Andrang zum Sonntagsgottesdienst. Dass sie an diesem Tag ihren 76. Geburtstag feierte, konnte damit doch nichts zu tun haben, oder? Anscheinend doch, der Posaunenchor Breuna spielte sogar ihr zu Ehren vom Altar aus ein Ständchen. Gegen Ende des Gottesdienstes ließ Pfarrer Thomas Wischnath dann die Katze aus dem Sack: Justine Schwedes feierte ihr 40. Dienstjubiläum als Küsterin.

Natürlich hatte sich dies in Breuna bereits herumgesprochen – deshalb freuten sich viele Breunaer mit Justine Schwedes und sahen zu, als sie von Pfarrer Wischnath am Altar eine Urkunde der Landeskirche Kurhessen-Waldeck mitsamt Plakette als Dank überreicht bekam. Der Breunaer Kirchenvorstand und der Pfarrer bedankten sich mit einem Blumenstrauß und einem Engel aus Ton, den sie gleich mit ins Gemeindehaus nahm, wo der Kirchenvorstand sie zu ihrer Überraschung mit einem festlichen Sektempfang und reichhaltigen Büffet erwartete.

Aus fünf wurden 40 Jahre

Pfarrer Herzberg hatte Justine Schwedes damals gebeten, das Küsteramt zu übernehmen, da sie gegenüber der Kirche wohnte. Die bis dahin amtierende Küsterin Gerlinde Bodenhausen war in den Stadtpfad gezogen und übergab ihr die Kirchenschlüssel mit der Bemerkung: „Wenn du es solange machst wie ich, dann ist das schon mal gut.“ Justine Schwedes hat es mehr als gut gemacht, denn sie hat nicht fünf, sondern 40 Jahre den Küsterdienst versehen.

Ans Aufhören denkt sie trotzdem noch lange nicht: „Jetzt kommt erstmal die Kirchenrenovierung, da will ich dabei sein“, meint sie schmunzelnd. Dafür wird sie auch weiterhin jeden Gottesdienst begleiten, für Blumenschmuck sorgen und die Betglocke läuten. Dass bereits die „normalen“ Gottesdienste mit Sonn- und Feiertagen im Jahr sich auf 60 summieren und bei Beerdigungen und Hochzeiten natürlich zusätzlich die Glocken ertönen, darüber denkt der Kirchgänger eher nicht nach.

Familie vertritt sie

Urlaub hat die Küsterin erst in den letzten Jahren gemacht, dann hat die Familie ihre Vertretung übernommen. Sohn Udo ist für das Stellen der Uhr verantwortlich, ihre drei Töchter springen ein, wenn sie mal gar nicht kann. Zusätzlich zum Innendienst mäht Justine Schwedes draußen vor der Kirche den Rasen, räumt Schnee und fegt. An einen Jungenstreich vor vielen Jahren erinnert sie sich: Da waren in der Silvesternacht die Glocken stumm geblieben, und sie war mit ihrem Mann zur Geisterstunde in den Glockenturm gestiegen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Die Glockenklöppel waren zusammengebunden – das war des Rätsels Lösung. (ga)

Von Stefanie Gallacher

Quelle: HNA

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