Engländer besuchte Heimat seiner jüdischen Vorfahren

Gegen das Vergessen: Charles Rosenmeyer (von links) mit seiner Ehefrau Fiona sowie seiner Cousine Patricia Rosenmeyer, deren Mann Peter und Tochter Sarah besuchten erstmals Wolfhagen, wo ihre jüdischen Vorfahren seit 1780 bis kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten lebten. Hinten Bürgermeister Reinhard Schaake und Ernst Klein vom Arbeitskreis Rückblende - Gegen das Vergessen. Foto: zih

Wolfhagen. In der historischen Fachwerkstadt Wolfhagen, der ehemaligen Heimat seiner jüdischen Vorfahren, war Charles Rosenmeyer noch nie. Doch die Stadt ist ihm nicht ganz unbekannt.

Einmal habe er sich jede Menge Lesestoff und Bildmaterial über Wolfhagen besorgt. Zudem habe seine bis zu ihrem Tod bei der Familie wohnende Großmutter sehr viel über die Stadt, in der sie geboren wurde und aufwuchs, erzählt, sagt Rosenmeyer. Die Großmutter unterhielt sich mit ihrem Enkel neben Französisch vor allem in Deutsch. Deshalb geht ihm auch heute noch die deutsche Sprache relativ leicht von den Lippen, „auch wenn ich seit 40 Jahren kaum Gelegenheit hatte, diese Sprache zu sprechen.“

Jetzt besuchte der in der Nähe der englischen Hauptstadt London lebende Rechtsanwalt mit seiner Frau Fiona und zusammen mit seiner in den USA wohnenden Cousine Patricia Rosenmeyer, deren Mann Peter sowie Tochter Sarah für mehrere Tage Wolfhagen. „Ich wollte nicht nur die Heimat meiner Ahnen persönlich kennenlernen, sondern vor Ort auch erfahren, lernen und sehen, wo meine Wurzeln liegen.“ Vorurteile gegenüber dem heutigen Deutschland aufgrund der Gräueltaten der Nationalsozialisten von 1933 bis 1945 mit der millionenfachen Verfolgung, Vertreibung und Ermordung von jüdischen Mitbürgern hat Charles Rosenmeyer nie gehegt. „Man darf diese Pogrome aber nie vergessen“, sagt er.

In Wolfhagen ist die erstmalige Erwähnung von jüdischen Mitbürgern mit 18 Flüchtlingen aus Frankreich bereits 1235 belegt. 1874 bestand die jüdische Gemeinde aus 300 Personen, das waren zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. 1929 waren es nur noch 65. Eine Familie Rosenmeyer gab es in der Stadt seit 1780. Daraus entstanden in den Folgejahren drei angesehene familiäre Linien, die sich wirtschaftlich vielschichtig betätigten. Als Textil- sowie Viehhändler, Metzger und Drechsler.

Rechtzeitig geflohen

Rosenmeyers Eltern, Großeltern sowie auch die weitere Verwandtschaft erkannte rechtzeitig die sich abzeichnende drohende Zeit. Sie verließen Wolfhagen, wanderte noch vor der Machtergreifung der Nazis nach England und Amerika aus und entgingen so dem Holocaust. Niemand von ihnen kehrte noch einmal in die alte Heimat zurück. Charles Rosenmeyer und seine Cousine Patricia sind jetzt die ersten Rosenmeyers, die diesen Schritt wagten. Unterstützt wurden sie dabei von Ernst Klein vom Arbeitskreis „Rückblende - Gegen das Vergessen“. Für Rosenmeyer wird es nicht der letzte Besuch in Wolfhagen gewesen sein. „Ich komme mit meiner Frau Fiona wieder“, sagt er. (zih)

Quelle: HNA

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