NVV-Verkaufsstelle im Zierenberger Lädchen wird bald geschlossen

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Aus für die NVV-Verkaufsstelle in Zierenberg: Jutta Krug muss nach über zehn Jahren den Verkauf von Fahrkarten einstellen. Im Geschäft für Bürobedarf, Zeitungen und Geschenkartikel soll auch ohne den Fahrkartenverkauf der Kunde weiterhin an erster Stelle stehen.

Zierenberg. Jutta Krug traute ihren Augen nicht, als sie Ende September einen Brief der Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) öffnete. „Kündigung des Vertrages für Vorverkaufsstellen“, stand da als Betreff.

Die Betreiberin des beliebten „Lädchens“ neben dem Zierenberger Neukauf-Markt muss zum 31. Dezember den Verkauf von Fahrtkarten für Busse und Bahn einstellen - nach mehr als zehn Jahren.

„Ich konnte es kaum glauben“, sagt Krug, die immerhin pro Jahr rund 35 000 Euro für Fahrkarten erwirtschaftet hat. Zu wenig für das Kasseler Unternehmen, das laut eigener Internetseite den lokalen Nahverkehr in Kassel und den umliegenden Gemeinden koordiniert. Dabei scheinen die Gemeinden, die außerhalb des KasselPlus-Gebietes liegen, keine sonderlich große Rolle zu spielen, wie eine Stellungnahme von Pressesprecher Ingo Pijanka vermuten lässt: „Dem Kasseler Bürger ist es nicht zuzumuten, das in Zierenberg auflaufende Minus zu begleichen, die KVG ist lediglich für Kassel und KasselPlus zuständig.“ Zierenberg liege außerhalb des Betreuungsgebietes der KVG, falle in das des NVV.

„Für viele ist ein Beratungsgespräch vor Ort hilfreich, viele finden sich in der Anonymität der Automaten einfach nicht mehr zurecht.“

„Bei der KVG geht man eben strikt nach Umsatzzahlen“, bedauert Krug. „Verkaufsstellen mit Einnahmen von mehr als 50 000 Euro bleiben erhalten“, erfuhr sie auf Nachfrage. Eine Tatsache, die sie im Sinne ihrer Kunden nicht akzeptieren wollte. Finanziell reiße ihr die Schließung der Verkaufsstelle zwar kein Loch in die Kasse, der Verlust des Serviceangebots für die Zierenberger aber sei ihr ein Dorn im Auge. So bot sie an, auf Teile der ohnehin geringen Provision - beim Verkauf etwa eines Fünfertickets im Wert von 22 Euro erhält sie gerade einmal 40 Cent - zu verzichten. „Mein Vorschlag wurde mit einem Lachen quittiert, ich habe mich überhaupt nicht Ernst genommen gefühlt“. Das will Pressesprecher Pijanka nicht akzeptieren: „Das mit dem Lachen ist eine Unterstellung, die wir zurückweisen.“

So bleibt Jutta Krug nichts anderes übrig, als die Entscheidung der KVG zu akzeptieren. „Ich wurde auf ausreichend Fahrkartenautomaten sowie die zwei Kundenzentren in Kassel hingewiesen, zudem seien Tickets auch in sämtlichen Bussen und Bahnen sowie über das Mobiltelefon erhältlich“, sagt Krug, die hier aber vor allem für ältere Bürger Probleme sieht.

„Für viele ist ein Beratungsgespräch vor Ort hilfreich, viele finden sich in der Anonymität der Automaten einfach nicht mehr zurecht.“ Davon will die KVG nichts wissen: „Es gibt die Nordhessen-Karte60Plus im Abo für einen wirklich attraktiven Preis, bequemer geht es nicht“, sagt Pijanka. „Und es ist tatsächlich ernst gemeint, dass wir auf das Kundenzentrum in Kassel verweisen, weil wir ein Kasseler Unternehmen sind, das Hauptsächlich in Kassel tätig ist.“

„Und es ist tatsächlich ernst gemeint, dass wir auf das Kundenzentrum in Kassel verweisen, weil wir ein Kasseler Unternehmen sind, das hauptsächlich in Kassel tätig ist.“

Auch das kann Jutta Krug nur mit einem Kopfschütteln kommentieren. „Meine Kunden sind entsetzt, können nicht verstehen, dass jedes Jahr die Fahrpreise erhöht werden, gleichzeitig aber der Service abnimmt.“

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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