Schrecksbacher wollen die Dorfentwicklung der 1960er und 70er Jahre aufarbeiten

Ein Ort erfand sich neu

Beengt: So sah die Erbesgasse Ende der 1950er Jahre aus, die Häuser und Höfe standen sehr nah zusammen. Foto:  privat

Schrecksbach. Von 1968 bis 1980 bekam Schrecksbach ein neues Gesicht. Der Ort wurde während der Dorfentwicklung umgestaltet. Nun soll die Umsetzung von damals aufgearbeitet werden.

„Ich weiß noch, wie es früher hier aussah“, erzählt Elisabeth Apel. Die Politikerin wurde 1958 in dem Ort geboren. Sie nahm Kontakt zu Prof. Jochen Steinmetz auf. Auch er stammt aus Schrecksbach, arbeitete im Ministerium für Landwirtschaft und Forst – ein Zeitzeuge, der die Dorfentwicklung in seiner Heimat vorantrieb. Gemeinsam mit dem ehemaligen Büroleiter Johannes Simon und Bürgermeister Andreas Schultheis sammeln sie Material dazu, was vor über 35 Jahren in Schrecksbach umgesetzt wurde.

Die Ergebnisse sollen natürlich auch den Schrecksbachern vorgestellt werden. Am Samstag, 22. November, findet dazu ab 14 Uhr ein Podiumsgespräch im DGH statt. Weitere werden folgen. Die Anwohner sind aufgerufen, in ihren Speichern, Kellern und Hausarchiven nach Material von damals zu suchen. Fotos, Karten alles kann nützlich sein. Es soll auch geklärt werden, wie die Dorfentwicklung in Schrecksbach entstand.

Ein markanter Punkt der Umgestaltung des Ortes war, als in den 1960er Jahren der Gutshof der Familie von Schwertzell aufgegeben wurden (an jener Stelle befindet sich heute das Rotkäppchenhaus), berichtet Johannes Simon. So wuchs zwischen dem Bauunternehmer Hans Best und seinem Schulfreund Jochen Steinmetz die Idee: „Wir müssen was machen in Schrecksbach.“ Der damals neugewählte Bürgermeister Karl-Heinz Schwarz war begeistert und mit im Boot.

1968 gab es allerdings noch kein landesweites Förderprogramm für die Dörfer, wie es heute existiert, sagt Apel. Viele Behörden mussten einbezogen werden, die Idee der Dorfentwicklung entstand und wurde auch umgesetzt.

Das Bild auflockern

Die Bebauung in Schrecksbach war sehr eng, viele Häuser in schlechtem Zustand. „Das gesamte Bild Schrecksbachs wurde verändert“, sagt Simon. Viele Gebäude wurden abgerissen, um das Bild aufzulockern. Höfe wie die Brückenhöfe wurden an den Dorfrand ausgesiedelt, die Umgehungsstraße wurde gebaut, sowie Bau- und Gewerbegebiete ausgewiesen. So tiefgreifende Veränderungen erlebte kein anderer Ortsteil der heutigen Großgemeinde. Das Geld kam vom Land Hessen und von Schrecksbach. Wie viel floss, lässt sich aktuell nicht nachvollziehen.

„Es gab keine Erfahrungen mit so einem Sanierungsprogramm“, sagt Andreas Schultheis. Damals mussten Entscheidungen einfach getroffen werden. „Die Schrecksbächer haben das als große Chance gesehen“, fügt Elisabeth Apel an. Auch wenn es aus heutiger Sicht sicherlich Kritikpunkte gebe.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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