Ergriffenheit und großer Jubel

Melsunger Musikantengilde begeisterte mit Oratorium Elias

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Zwischen Dramatik und Wärme: Die Melsunger Musikantengilde führte anlässlich des 100. Geburtstags von Walter Edeling das Oratorium Elias von Felix Mendelssohn Bartholdy zweimal in der Melsunger Stadtkirche auf. Mit im Bild das Göttinger Barockorchester.

Melsungen. Als das Oratorium Elias von Felix Mendelssohn-Bartholdy 1846 in England uraufgeführt wurde, standen dem Komponisten fast 300 Musiker und Sänger zur Verfügung.

Mit etwa der Hälfte der Personen kamen die Aufführungen der Melsunger Musikantengilde am Samstag und Sonntag in der Melsunger Stadtkirche aus, erreichte aber bei den Zuhörern denselben Effekt wie damals: Ergriffenheit und am Ende Jubel sowie viel Applaus.

Das Werk, das ein Stück Gesichte aus dem Alten Testament zum Thema hat, besticht durch eine innige, packende Dynamik, die sich ganz an der Textdramaturgie orientiert.

Unter der Leitung von Eva Gerlach musizierten: die Melsunger Musikantengilde, das Göttinger Barockorchester, das Ensemble Vierklang sowie die Solisten Christine Hoffmann (Sopran) und Nicole Pieper (Alt), Henning Kaiser (Tenor), Achim Hoffmann (Bariton) und Emma Susdorf als Knabe.

Verschiedene Standorte der Ensembles verliehen dem Stück eine szenische Innigkeit: Vierklang sang von der Orgelempore, die Solisten je nach Handlung ebenfalls. Ein Doppelchor sang „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ mit den vier Solisten und den Chormitgliedern Dorothea Becker-Puhl (Sopran), Renate Obermüller (Alt), Gerhard Altröder (Tenor) und Meinhard Puhl (Baß).

Hoffmann als Elias bestach durch tiefe Intensität in seiner Rolle: vom strengen, Strafe androhenden Mann bis zur Verzweiflung und Trostlosigkeit bot er eine packende Darstellung. Dazu passte die Leistung der anderen Solisten, die sich zwischen barocker Lyrik und dramatischer Romantik ausgewogen bewegten. Mit vielen tief ausgespielten Gesten der Musik, dem engelgleichen Gesang der Jugendlichen im Ensemble Vierklang, Emma Susdorf als Knabe und einem spielfreudigen, dramaturgisch agierenden Instrumentalensemble gelang eine rundum ergreifende Interpretation dieses vielseitigen Werkes. Da loderten im Orchester heftig das Feuer, Sturm und Gericht, um dann wieder den Chor mit warmer Klangfarbe zu begleiten. Wütendes Geschrei: „Er muß sterben“ wechselt mit dem Suchen nach Gott „Der Herr ging vorüber“ ab. Der Chor zeigte Höchstleistung, dem dynamischen Dirigat Gerlachs zu folgen.

Walter Edeling, zu dessen Ehrung man dieses Werk einstudiert hatte, hätte seine helle Freude gehabt an der Interpretation.

Von Agnes Dürr

Quelle: HNA

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