Gedenken an jüdische Gemeinden im Wolfhager Land

Erinnerung wach halten

Gedenktafel an der Schützeberger Straße: Hier wohnten einst die Möllerichs.

Wolfhagen/Zierenberg. Die Erinnerung darf nicht verblassen. Deswegen wurde auch in diesem Jahr wieder mit großem Engagement in Wolfhagen die Gedenkfeier anlässlich der Pogromnacht 1938 vorbereitet. Schüler der Wilhelm-Filchner-Schüler präsentierten gestern Abend in der Stadthalle Wissenswertes über das Judentum, speziell über die Wolfhager Gemeinde und ganz besonders über die Familie Möllerich, die hier vor dem Krieg lebte und über den Sohn Wolfgang, der in die USA ging. 74 jüdische Mitbürger zählte die Stadt bis 1933, durch die Nazidiktatur erlosch das jüdische Leben in der Stadt. Die Wolfhager Synagoge brannte am 10. November 1938. Das Jugendsinfonieorchester bildete einen würdigen musikalischen Rahmen bei der Gedenkfeier.

Nach dem anschließenden Gang zur ehemaligen Synagoge sagte Dekan Dr. Gernot Gerlach in seiner Rede an der Mittelstraße: „Was für ein Ort! Mitten in unserer Stadt! Hier haben viele Generationen von Wolfhager Bürgern jüdischen Glaubens, tief im sozialen Leben der Stadt verwurzelt, verantwortlich gelebt, geliebt, gelitten, auf das Wort Gottes gehört, gebetet, gesungen, gehofft und zwar für alle Völker und die ganze Welt.“ Ein Gebet schloss sich an. Die Teilnehmer der Gedenkveranstaltung zogen weiter zum Steinhaus Schützeberger Straße 37, wo einst die Familie Möllerich wohnte. Hier wurde eine Gedenktafel enthüllt. Die Abschlussworte wurden am „Platz der Freiheit“ gesprochen.

„Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“ Die Worte von Zierenbergs Bürgermeister Stefan Denn gingen tief. Mehrere Dutzend Zierenberger waren mit Vertretern der Kirchen an dem Ort zusammen gekommen, an dem bis zum 9. November 1938 die zweistöckige Synagoge der jüdischen Gemeinde Zierenbergs gestanden hatte. „Fast 40 Jahre lang war das Haus an der Mittelstraße ein Sinnbild für Religions- und Glaubensfreiheit, geprägt vom Miteinander jüdischer und christlicher Bürger Zierenbergs“, so Denn. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten habe sich das schlagartig geändert, das Leben der Juden sei auch auf dem Land von Demütigung und Repressalien geprägt gewesen. Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel an die alten Zeiten und mahnt mit den Worten: „Wir lernen nur, wenn wir nicht vergessen“. Auch die evangelische Pfarrerin Monika Vöcking will 72 Jahre nach den Gräueltaten die Erinnerung wach halten, denn nur so sei zu verhindern, dass sich die Geschichte wiederhole. (awe/zhf)

Quelle: HNA

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