Was das Feuer übrig ließ: Spurensuche im ehemaligen Zierenberger Treibhaus

Erinnerungen in der Asche

Auf dem Dachboden: Auch Stockhardt-Sohn Adrian geht gerne mit der Taschenlampe bewaffnet auf Entdeckungstour, hier hat er alte Werbeplakate aus den Glanzzeiten des Treibhauses gefunden. Fotos: Hoffmann

Zierenberg. Ehemals ein Aushängeschild Zierenbergs, in den vergangenen Jahren immer mehr zum Schandfleck verkommen: Um das ehemalige Treibhaus am Ortseingang in der Dörnbergstraße war es seit einem großen Brand im November 2007 still geworden. Damals hatten sich Flammen im Kneipenbereich durch die Einrichtung gefressen, an den jahrhundertealten Eichenbalken ihre Spuren hinterlassen. Die Fenster zugenagelt, die Türen mit einer schweren Eisenkette verhangen, geriet es immer mehr inVergessenheit.

Nun aber weht seit einigen Monaten ein frischer Wind durch die alten Gemäuer, dem sich der Brandgeruch dennoch bis heute hartnäckig entgegen stellt. Der sticht einem direkt in die Nase, wenn Thilo Stockhardt vom Verein Human Centering die Türen öffnet und zum Streifzug durch seine neue Wirkungsstätte lädt. Er hat sich dem einstigen Hospital angenommen, dessen Erbauung auf das Jahr 1593 zurückgeht. Ein Bürgertreff mit sozialer Ausrichtung soll hier einmal entstehen, mit seinen Helfern hat er bereits Schaufel und Besen in die Hand genommen, in schweißtreibenden Stunden ordentlich angepackt.

Erstaunlich aufgeräumt wirken die alten Räume, auch wenn noch viel zu tun ist. Im Discobereich thront noch immer die alte Spiegelkugel im Gebälk, als wollte sie jede Sekunde im Scheinwerferlicht zu drehen beginnen.

Auf der Theke stehen Gläser und von Staub überzogene Flaschen, fast so, als hätte hier gerade noch die letzte Party stattgefunden. Die aber liegt bereits einige Jahre zurück, die Erinnerungen aber scheinen noch frisch.

Über 500 Mitglieder zählt die Gruppe eines Internetforums, in dem sich ehemalige Treibhausgänger zusammengeschlossen haben. Einige von ihnen haben Stockhardt bereits besucht, die Gelegenheit genutzt, um nach Erinnerungen zu suchen.

Der geliebte alte Barhocker mit Unterschriften wurde zwar nicht gefunden, doch aber andere Relikte des goldenen Discozeitalters. Original Flyer sind zuhauf auf dem eisig kalten Dachboden zerstreut, aufgeweicht unter durch das marode Dach gerieselten Schnees. Plakate erinnern an Konzerte und Partys, der bekannte Musiker Stolle hat sich auf einem eingerahmten Foto mit seiner Unterschrift verewigt.

Ein Stockwerk tiefer lässt sich nur noch erahnen, welchen Nutzen die winzigen Räume hinter den kleinen Sprossenfenstern in längst vergangenen Zeiten einmal gehabt haben. Hier waren die Patienten des Hospitals untergebracht, das ab 1798 in dem Fachwerkhaus installiert war.

„Über die Nutzung direkt nach der Erbauung ist nichts bekannt, von einer Branntweinbrennerei ist in Überlieferungen die Rede“, berichtet Architekt und Hobbyhistoriker Robert Göbel, der dem Verein Human Centering mit Rat und Tat zur Seite steht. „Bezüglich der Architektur wirft das Gebäude viele Fragen auf, weshalb eine Erforschung durch das Landesamt für Denkmalpflege bereits zugesagt wurde“, so Göbel. Lebendiger Adventskalender Wolfhagen: Samstag, 17 Uhr, Altes Rathaus, Kinder erleben ein fernes Land. Sonntag, 17 Uhr, Altes Rathaus, türkische Folklore und Spezialitäten Bründersen: Samstag, Treffpunkt 17.30 Uhr vor der Kirche, Erzählungen aus früherer Zeit. Sonntag keine Veranstaltung.

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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