Erinnerungen an Waterloo: Fritzlarer erzählt Geschichte seines Vorfahren

Er hat alles aufbewahrt: Fritzlars Stadtarchivar Clemens Lohmann hütet den Nachlass seines Vorfahrs. Fotos: Laumann

Fritzlar. Die Schlacht bei Waterloo jährt sich am 18. Juni zum 200. Mal. Zum Jahrestag erinnert Clemens Lohmann aus Fritzlar an einen Vorfahren, der bei Waterloo gekämpft hat.

Die Wucht der Kugel war gewaltig. Sie durchbohrte die linke Wange, schoss durch den Mund und blieb in der rechten Wange stecken. Soldat Friedrich Gustav Lohmann hatte Glück. Die Ärzte entfernten das Geschoss. In einem Brief an seinen Vater schilderte der damals 26-Jährige sein Leiden. Die Schlacht bei Waterloo endete, die Wunde verheilte - nur die Kugel blieb.

Sie ist noch immer im Familienbesitz. Seit Jahren passt Fritzlars Stadtarchivar Clemens Lohmann auf sie auf. Der Vorsitzende des Fritzlarer Geschichtsvereins ist ein Nachfahre des Bombardiers. Zum 200. Jahrestag der Schlacht widmet der eine Lohmann dem anderen einen Vortrag unter dem Titel „Die Nacht oder die Preußen“. Clemens Lohmann erklärt den Ablauf der Schlacht und ihre Folgen. Zur Einstimmung ertönt „Die Schlacht bei Vittoria“ von Beethoven, zum Schluss der „Pariser Einzugsmarsch“. Dazwischen gibt es Bilder und Geschichten.

Diese Kugel hat die Jahrhunderte überstanden: Sie traf Clemens Lohmanns Vorfahren in der Schlacht am Kopf.

Friedrich Gustav Lohmann gehörte zur königlich-deutschen Legion, die mit Engländern, Holländern und Preußen gegen die Franzosen unter Napoleon kämpfte. Er war Bombardier und verbreitete Meldungen. „Kapsel auf, Meldung rein und er lief los“, erklärt Clemens Lohmann.

Waterloo war eine „furchtbar brutale Schlacht“, sagt der Historiker. Mit zehntausenden Soldaten auf engstem Raum - und einer großen Opferbereitschaft auf beiden Seiten. „Die Männer haben Haus und Hof verlassen, um gegen Napoleon zu kämpfen.“

Orden und Kapsel

Originaldokumente: Das Liederbuch von Friedrich Gustav Lohmann ist noch erhalten.

Clemens Lohmann interessiert sich von Kindesbeinen an für die Auseinandersetzung - seitdem sein Großvater ihm zum ersten Mal davon erzählte. Liederbuch, Orden, die Kapsel für die Mittelungen: Alles, was Friedrich Gustav Lohmann aus seiner Zeit bei der Legion mitbrachte, lag jahrelang gut geschützt im Schließfach einer Sparkasse. Nach dem Tod des Großvaters gingen die Erinnerungen in seinen Besitz über.

Noch an Ostern war Clemens Lohmann in Belgien. „Die Vorbereitungen für das große Fest liefen auf Hochtouren“, sagt er. Am 18. Juni werden tausende Besucher aus ganz Europa erwartet. „Es gibt keinen Platz mehr. Die Hotels sind seit Jahren ausgebucht.“

Lohmann hat übrigens die Verantwortung, die Ahnenforschung fortzusetzen. Daran hatte sich schon der Großvater versucht. Doch den Familienverbund zu erforschen, braucht Zeit. „Es ist sehr aufwendig. Das mache ich, wenn ich im Ruhestand bin.“

Vortrag „Die Nacht oder die Preußen“: Donnerstag, 18. Juni, 19.30 Uhr im Fritzlarer Stiftssaal. Eintritt: drei Euro.

Quelle: HNA

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