Bekannter Ermittler ließt in Morschen

Ermittler Axel Petermann im Interview: Mitleid mit der Mörderin

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In der Rechtsmedizin Bremen: Der Ermittler Axel Petermann liest in Morschen aus seinem Buch „Der Profiler“. 

Morschen. Axel Petermann ist einer der renommiertesten deutschen Mordermittler. Bevor er in Morschen liest, haben wir mit ihm gesprochen. 

Der 65-Jährige vertritt den kriminalistischen Ansatz des Profilings, wonach der Schlüssel zur Klärung eines Tötungsdeliktes durch die Interpretation der Spuren am Tatort, an der Leiche und die Analyse der Opferpersönlichkeit zu finden ist. Er berät fürs Fernsehen den Bremer „Tatort“, vier seiner Fälle dienten als Vorlage für den Frankfurter „Tatort“.

Herr Petermann, gab es einen Mörder, mit dem Sie Mitleid hatten?

Petermann: Oh. Ja, es gab mal einen Fall, bei dem ich mitfühlen musste. Eine dramatische Situation. Eine Mutter tötete ihren schwer autistischen Sohn, weil sie befürchtete sich aus Altersgründen nicht mehr um ihn kümmern zu können. Sie wollte ihm ein Leben im Heim ersparen. Sie ließ ihn mit Tabletten einschlafen und schnitt ihm die Pulsadern auf. Dann versorgte sie die Wunden, bahrte ihn auf und rief die Polizei.

Hat Sie ein Mord mal so richtig wütend gemacht?

Petermann: Ich versuche, mit Wut und anderen Emotionen sehr zurückhaltend umzugehen. Was ich gelernt habe ist, dass man sehr Böses tun kann, ohne ein durch und durch böser Mensch zu sein. Es gab einen dreifachen Mörder, der sehr perfide war. Eines seiner Opfer wollte er vollständig auslöschen. Im wahrsten Sinn. Er baute extra ein Krematorium, um sie rückstandslos zu verbrennen. Der Täter sprach damals ohne jedes Mitgefühl über die Taten. In den Pausen zeigte er sich aber als herzensguter und liebenswürdiger Familienvater.

Sie lesen in Morschen, haben sie sich im Vorfeld mit Morden in der Region befasst?

Petermann: Manchmal bekomme ich Anfragen von Journalisten vor Veranstaltungen. Natürlich kenne ich Armin Meiwes (Kannibale von Rotenburg) und Monika Weimar, die ihre Töchter tötete (Philippsthal), sonst habe ich mich nicht vorbereitet.

Sie haben in einigen Serienmorden recherchiert. Gibt es etwas, dass die Täter eint?

Petermann: Ein Serienmörder trägt Tötungsfantasien in sich. Fantasien, die er in Gedanken verfeinert und sich eine Tötung immer wieder vorstellt. Bei einem Serienmörder wird die Fantasie irgendwann so mächtig, dass er sie ausleben muss. Ein Mörder hat mir mal gesagt, dass das Ausleben der Fantasien und die Geldnot ihn zu gleichen Teilen getrieben hätten.

Quelle: HNA

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