Zeugenmarathon vor Gericht

Vorwurf der Falschaussage nach Prügelei in rechtsradikalen Kreisen

Marburg. Einen Zeugenmarathon von mehreren Stunden gab es vor dem Landgericht Marburg. Es ging um einen 22-Jährigen aus dem Altkreis Ziegenhain.

Im Zusammenhang mit einer Prügelei im Umfeld der rechtsradikalen Freienkräfte Schwalm-Eder soll er vor über zwei Jahren während einer Hauptverhandlung vor dem Amtsgericht Schwalmstadt als Zeuge falsch ausgesagt haben. Damit soll er seinen Freund, der ebenfalls den Freien Kräften zugerechnet wird, vor einer Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung bewahrt haben.

Wegen uneidlicher Falschaussage in Tateinheit mit versuchter Strafvereitelung war der 22-Jährige dann erstinstanzlich zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Die Vollstreckung der Strafe wurde seinerzeit zur Bewährung ausgesetzt.

In der Berufung vor der dritten Strafkammer am Landgericht Marburg wurde diese Woche noch kein Urteil gesprochen. Der Angeklagte äußerte sich vor der Strafkammer nicht zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen im Zusammenhang mit der Schlägerei, die es im Februar 2010 in einer Schwalmstädter Kneipe gegeben hatte.

Er wolle zunächst schweigen, sagte der 22-Jährige zu Beginn der Verhandlung, und sein Anwalt erklärte, er wolle keine Gespräche über eine mögliche Rücknahme der Berufung führen. Zugleich übte der Jurist massive Presseschelte über die seiner Meinung nach aggressive und zum Teil falsche Presseberichterstattung dieser Zeitung. Gegenüber der Vertreterin der Jugendgerichtshilfe äußerte der Verteidiger, sie habe für ihren Bericht ein Gespräch mit der Mutter des Angeklagten verwendet, das sie bewusst als privat verschleiert habe. Vorgetragen wurde dieser Bericht noch nicht.

Im Verhandlungsverlauf gab es mehrere Unterbrechungen. So beantragte der Verteidiger des 22-Jährigen die Vertagung der Verhandlung, damit eine voll umfängliche Einlassung seines Mandanten vorbereitet werden könne.

Nicht in der Lage

Aufgrund von Ermüdungserscheinungen und des emotionalen Eindruckes, den der Verhandlungsverlauf und insbesondere die Vernehmung seiner Eltern beim 22-Jährigen hinterlassen hätten, sehe der junge Mann sich nicht dazu in der Lage. Ein weiterer Antrag des Anwalts zur Einsicht von Akten war bereits zuvor vom Gericht mit der Begründung abgewiesen worden, es handele sich dabei um nicht einsichtige Akten der Staatsanwaltschaft.

Die getrennt lebenden Eltern des Angeklagten wurden zu dessen Entwicklung und zu den familiären Verhältnissen befragt.

Mit Rücksicht auf das Privatleben der Beteiligten fand ein Teil der Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Insgesamt sagten zwölf Personen vor Gericht aus, darunter auch der Staatsanwalt, der das Ermittlungsverfahren gegen den Angeklagten eingeleitet hatte.

Der als Zeuge aussagende Freund des Angeklagten räumte seine Beteiligung an der bewussten Schlägerei ein. Eine Absprache zwischen ihm und dem Angeklagten habe es aber nicht gegeben, er selbst habe sich zum Verhandlungszeitpunkt in Untersuchungshaft befunden.

Das Gericht setzte die Fortsetzung der Verhandlung für den 9. Januar an. (zhk)

Quelle: HNA

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